Synagoge als mögliches NSU-Ziel? NSU-Prozess in München

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Im Raum steht nun die schier unglaubliche Meterstab-Theorie. Doch die Glaubwürdigkeit der Ermittler ist fast irreparabel beschädigt - nicht nur in Thüringen.

Böhnhardt bildete nach Auffassung der Bundesanwaltschaft zusammen mit Uwe Mundlos und Beate Zschäpe die Rechtsextremistengruppe Nationalsozialistischer Untergrund. In beiden Fällen habe die thüringische Polizei offenbar das identische Spurensicherungsgerät verwendet.

Die Polizei und Staatsanwaltschaft hegen Zweifel an einer Verbindung zwischen dem NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und dem Mordfall Peggy. In einer Erklärung, die ihr Anwalt Mathias Grasel am Mittwoch im Münchner NSU-Prozess verlas, räumte Zschäpe zwar ein, sie habe sich damals irgendwann im Frühjahr oder Sommer zusammen mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in der Hauptstadt aufgehalten.

Am 2. Juli 2016 wurden 15 Jahre nach dem Verschwinden von Peggy überraschend Teile ihres Skeletts in einem Wald in Thüringen entdeckt. Deshalb könnte über den Meterstab eine Körperzelle Böhnhardts an den Fundort des Mädchens übertragen worden sein. Nach jedem Einsatz würden die Hilfsmittel gründlich gereinigt, hieß es. Erst im November 2011 flog der NSU auf, als sich Mundlos und Böhnhardt nach einem gescheiterten Bankraub in Eisenach das Leben nahmen. Das sei zeitaufwendig. Für die Überprüfung soll ein Labor gefunden werden, das bisher weder im Fall Peggy noch im Fall NSU eingesetzt war. Nur darüber, wann und wie er dorthin gelangt ist, wird nun neu spekuliert. Dem bayerischen LKA zufolge müssen Spurenexperten aber vor allem bei der Sicherung von sogenannten Mikrospuren - also DNA, Fasern, Staub oder Schmauchspuren - Standards beachten. Ob es jedoch solche Spuren an dem Asservat gibt, ist offen. Der Rechtsanwalt Yavuz Narin, der im NSU-Prozess Angehörige eines ermordeten Griechen vertritt, hatte den Polizisten als Zeugen benannt.

Seitdem der DNA-Fund an Peggys Leiche bekannt wurde, wurde auch wieder daran erinnert, dass Böhnhardt bereits 1993 einmal im Zusammenhang mit dem Tod eines Kindes in Jena vernommen worden war, damals ohne Ergebnis. Derzeit könne noch nicht gesagt werden, ob die Spur Böhnhardts durch eine Polizeipanne weitergegeben wurde. Das hat sich anscheinend des Falles angenommen. Zuvor hatten Medien über die mögliche Verunreinigung berichtet. Probleme könnte sogar die Justiz bekommen. Danach hätten die beiden Fälle tatsächlich nichts miteinander zu tun. Die Ermittler hätten DNA-freie oder zumindest verunreinigungsgeschützte Materialien zu verwenden. Mehrere Bundesländer prüfen seitdem mögliche Verbindungen von unaufgeklärten Kindsmorden zu Böhnhardt.

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