United Airlines im PR-Alptraum

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Die Bilder gingen um die Welt: Sicherheitskräfte zwingen einen Mann von seinem Flugzeugsitz, schleifen ihn mit Gewalt durch den Gang.

Der Beamte, der den Passagier mit sich geschleift habe, sei mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden. Insbesondere aber sollte United seine Mitarbeiter darüber hinaus anweisen, Situationen wie die an Bord von Flug 3411 künftig etwas sensibler zu lösen.

Der Vorfall in der überbuchten United-Maschine ereignete sich am Sonntag auf dem internationalen Großflughafen O'Hare in der Nähe von Chicago. "Das wird nie wieder passieren", sagte Munoz dem US-Sender ABC. Nachdem aber keiner der Fluggäste auf das Angebot, einen späteren Flug zu nehmen - und dafür eine Prämie und eine Nacht im Hotel bezahlt zu bekommen - eingehen wollte, wurden per Zufall Passagiere ausgesucht.

Aber der kleine Mann mit Brille, der angeblich durch eine zufällige Computer-Stichprobe ausgewählt wurde, wollte nicht. In einer internen E-Mail an die Angestellten von United Airlines, die von US-Medien veröffentlicht wurde, hatte Munoz anfangs versucht, dem Passagier zumindest eine Teilverantwortung zu geben und diesen als "Störenfried und aggressiv" dargestellt. Die Flugsicherheitsbehörde in Chicago erklärte in einem Statement, der Vorfall sei "nicht im Einklang mit unserem standardmäßigen Prozedere". Weil sie aus Erfahrung davon ausgehen, dass nicht alle Passagiere, die ein Ticket gekauft haben, am Ende auch erscheinen. Man schaue die Handlungen der Crew an, den Umgang mit Überbuchungen, die Zusammenarbeit mit den Behörden und die Belohnungen für freiwillig Aussteigende. Drei von ihnen verzichteten freiwillig, ein 69-Jähriger Arzt sprach sich dagegen aus, weil auf ihn am nächsten Morgen in Louisville Patienten warteten. Auch im chinesischen Online-Netzwerk Weibo gab es Kommentare, viele Nutzer warfen United Airlines Rassismus gegen den womöglich chinesischstämmigen Mann vor. Dieser stehe in Zusammenhang mit "einem größeren Problem der Gewaltanwendung durch Sicherheitskräfte gegen Schwarze, Mischlinge, Araber und Asiaten sowie Illegale im ganzen Land und in Chicago", erklärte die Gruppe. Der Ursprung, wie es überhaupt dazu kommen kann, dass ein Passagier seinen Flug nicht antreten darf, liegt woanders: der Ökonomie des Überbuchens. Auch auf diese Wortwahl nehmen viele User in ihren Postings Bezug.

Der Vorfall rief sogar US-Präsident Donald Trump auf den Plan.

Auch United Airlines reagiert: Die Fluggesellschaft hat angekündigt, keine Polizisten mehr einzusetzen, um Passagiere aus voll besetzten Flügen bringen zu lassen. Der Sprecher des US-Präsidenten, Sean Spicer, spricht in einer Pressekonferenz auf eine Frage hin von einem "unglücklichen Vorfall" - und ja, er denke, Trump habe sich das Video angeschaut.

Das Überbuchen von Inlandsflügen ist in den USA üblich. Dabei gelten für solche Fälle eindeutige Regeln.

Bleiben Passagiere bei einem überbuchten Flug unfreiwillig am Boden, muss die Airline nach EU-Recht den Flugpreis zurückerstatten oder einen Ersatzflug finden. Wie das Handelsblatt berichtet, mussten in den USA 2016 fast 500000 Fluggäste zurückbleiben, obwohl sie einen Flug gebucht hatten.

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