Poggenburg: Baldige Neuwahl der AfD-Bundesspitze möglich

Einstellen Kommentar Drucken

Gut möglich, dass Petry mit ihrem Verzicht auf eine Spitzenkandidatur keinen politischen Selbstmord begeht, sondern den internen Widersachern das Messer an den Hals setzen und ihre eigene Position sowie diejenige ihrer Partei auf lange Sicht stärken will. Schliesslich bleibt sie Co-Vorsitzende, und auch als Kandidatin für den Bundestag bleibt sie im Rennen - nur eben nicht als Spitzenkandidatin.

Kommt hinzu, dass die Partei, die so anders sein will als die anderen, ausgerechnet in den entscheidenden Monaten ein Bild abgibt, wie es die Wähler überhaupt nicht mögen. Schon jetzt ist in der Partei vom "Lucke-Trauma" die Rede. Er gehe auch nicht davon aus, dass die Partei nun nach rechts rücke.

Weil Petry trotz aller heftigen Kritik an ihr und ihrem Mann Marcus Pretzell in Teilen der Basis und vor allem der potenziellen Wählerschaft noch immer als Galionsfigur gilt, kann es sich die Partei eigentlich nicht leisten, ein Spitzenteam ohne sie aufzustellen. In einem zweiten Schritt sollte dann über konkrete Kandidaten entschieden werden.

Der Meinungsforscher Thomas Petersen hat sie im "Spiegel" vor dem Verzicht von Petry treffend so beschrieben: "Würde die AfD die letzten halbwegs gemäßigten Vertreter verlieren und würden sich die Rechtsradikalen gänzlich durchsetzen, könnte die Partei ein Drittel ihrer derzeitigen Anhänger verlieren". Sie hat auch gute Chancen, am 24. September in den Bundestag einzuziehen - sollte sie nicht vorher auseinanderbrechen.

Er fordert Petry auf, ihren Antrag zurückzuziehen. Er bedauere es jedoch, dass die Parteichefin nicht für ein Spitzenteam zur Verfügung stehe, erklärte Poggenburg. Petry hat diese Unterscheidung getroffen, weil sie beide Ausrichtungen für unverträglich hält. Hätte diese eine alleinige Spitzenkandidatur angestrebt, "wäre das sehr konfliktär gewesen".

Der Parteitag in Köln wird nicht nur das Wahlprogramm für die Bundestagswahl verabschieden.

Weitere Tretminen, die in Köln hochgehen könnten, sind: Das vom Bundesvorstand gegen den Willen von Gauland und Poggenburg eingeleitete Parteiausschlussverfahren gegen Höcke, der mit Blick auf die deutsche Geschichte eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert hatte. Das Problem besteht aber darin, dass die handelnden Akteure kaum miteinander reden. Doch sie kann sich ihrer Sache nicht mehr sicher sein.

Rückendeckung bekam die AfD-Chefin aus ihrem sächsischen Landesverband.

Der Journalist Severin Weiland schreibt: "Nun hat sich die hochschwangere Petry, die noch vor dem Sommer ihr fünftes Kind erwartet, selbst aus dem Rennen genommen - allerdings will sie dafür offenbar einen Preis". Dafür sprachen sich mehrere Vorstandsmitglieder aus. Als er dann in der Hansestadt gelandet sei, sei er von Petry Entscheidung "etwas überrollt" worden. Ob sie aber eine Doppelspitze für die Wahlkampfphase akzeptiert, muss sich zeigen. "Der Parteitag ist absolut ergebnisoffen", sagt der Petry-Vertraute Wurlitzer.

Comments