BVB-Anschlag: Haftbefehl gegen IS-Mitglied

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Die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund haben bislang keinen Beleg dafür ergeben, dass der Beschuldigte an dem Anschlag beteiligt gewesen ist. Ihm wird eine Nähe zur terroristischen Vereinigung "Islamischer Staat" vorgeworfen. "Angesichts des Anschlags von Dortmund werden die Sicherheitsbehörden ihren Fokus für den Schutz großer Fußballspiele weiter fassen müssen", sagte der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Ansgar Heveling (CDU), der "Rheinischen Post" vom Donnerstag. Ein nach der Bombenattacke festgenommener Iraker kam zwar wegen Verdachts der Mitgliedschaft in der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Untersuchungshaft, eine Beteiligung an dem Anschlag konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden. Am Dienstagabend explodierten drei Sprengsätze neben dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund.

Gleichzeitig stehe auch der zweite Mann, der im Visier der Ermittler war, nicht mehr unter Verdacht. Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft würden auch über die Ostertage intensiv fortgesetzt, sagte eine Sprecherin der Behörde am Karfreitag. Es gebe keine Hinweise, dass der 28-jährige Deutsche in die Tat verwickelt sei. Die Wohnungen beider Männer waren durchsucht worden.

Mit verstärkter Polizeipräsenz und erhöhter Vorsicht bereitet sich die Polizei in Dortmund auf das erste Bundesliga-Heimspiel des BVB nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus des Clubs vor. Beim Berliner Tagesspiegel ging ein neues Bekennerschreiben mit offenkundig rechtsextremem Hintergrund ein. "Es ist noch viel zu früh, solche Aussagen zu treffen, da die kriminaltechnischen Untersuchungen noch laufen", sagte eine Sprecherin am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Mail könne mit dem Anschlag von Dortmund zu tun haben, "es könnte aber auch ein Trittbrettfahrer sein".

Die Ermittler werden weiter versuchen, Schlüsse aus drei gleichlautende Bekennerschreiben mit islamistischem Inhalt zu ziehen, die die Polizei am Tatort gefunden hatte. Es werde in Richtung Links- und Rechtsextremismus sowie Islamismus ermittelt, sagte der Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, Burkhard Freyer. Er soll im Irak eine IS-Einheit angeführt haben, die Entführungen, Verschleppungen, Erpressungen und auch Tötungen vorbereitet habe. Der spanische BVB-Verteidiger Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt.

BVB-Trainer Tuchel und mehrere Spieler kritisierten die Entscheidung des europäischen Fußballverbandes Uefa, nur 22 Stunden nach dem Anschlag das Champions-League-Nachholspiel gegen Monaco anzusetzen. NRW-Innenminister Jäger hält es auch für möglich, dass die Täter gewaltbereite Fußballfans seien. Die Dortmunder hatten das Spiel mit 2:3 verloren. BVB-Profi Marc Bartra wurde dabei verletzt und ist inzwischen am Handgelenk operiert worden. "Auch im Stadion haben sich die Fans einigermaßen friedlich verhalten", sagte eine Polizeisprecherin. "Wir wurden überhaupt zu keiner Zeit gefragt", sagte der Coach nach der Partie und sprach von einem "Gefühl der Ohnmacht".

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