Drei Tote und Tränengas-Wolken: Proteste gegen Maduro in Venezuela eskalieren

Einstellen Kommentar Drucken

Tausende Gegner von Maduro hatten am Mittwoch in Caracas und in anderen Orten Venezuelas demonstriert. In Caracas starb ein 17-Jähriger an den Folgen eines Kopfschusses, berichteten Korrespondenten. Auch in San Cristóbal im Westen des Landes wurde eine 23-jährige Frau durch einen Schuss in den Kopf getötet, wie aus der Staatsanwaltschaft verlautete. Man werde das Geschehen (der Gegenseite) aufmerksam verfolgen und "jeden Versuch der Rechten unterbinden, die verfassungsmäßige Ordnung zu unterlaufen", so Cabello im staatlichen Fernsehsender VTV, wo er zugleich die Teilnahme von Mitgliedern der Nationalen Bolivarischen Miliz (MNB) bekanntgab. Die Nachrichtenagentur AFP meldet, bei den Demonstrationen sei erstmals auch ein Soldat des Regierungslagers getötet worden. Die Zahl der Toten bei den seit knapp drei Wochen anhaltenden Protesten ist damit auf mindestens acht gestiegen.

Die Opposition machte gewaltbereite Milizen der Sozialisten für die Angriffe verantwortlich, die auf Motorrädern immer wieder Angst und Schrecken unter den Demonstranten verbreiten. Die Reservistengruppe war nach dem Putschversuch 2002 gegen den damaligen Staatschef Hugo Chávez aufgestellt worden.

Das Militär wurde in Alarmbereitschaft versetzt, 500 000 Milizen sollen mit Gewehren ausgerüstet werden. Diese kündigte weitere Proteste für heute an. Seine Zustimmungsrate liegt derzeit weit unter 30 Prozent. Die Ausgabe grösserer Bolivares-Scheine lief schleppend, da Papier und Tinte zum Drucken fehlten. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menschen auseinanderzutreiben. Bisher kamen bei den Protesten neun Menschen ums Leben, über 400 wurden allein am Mittwoch im ganzen Land festgenommen. Die Opposition ihrerseits wirft Maduro vor, sich zu einem Diktator gewandelt zu haben.

Er beschuldigt die Opposition, zusammen mit dem Ausland eine Intervention zum Sturz der Regierung vorzubereiten. US-Außenminister Rex Tillerson warnte vor einer Eskalation: "Wir sind besorgt, dass die Regierung Maduro die eigene Verfassung verletzt und der Opposition nicht erlaubt, dass ihre Stimmen gehört werden". "Sie haben gerade ein Mitglied der Nationalgarde in San Antonio de los Altos ermordet", sagte der Vize-Chef der sozialistischen Regierungspartei PSUV, Diosdado Cabello, am Mittwoch im venezolanischen Fernsehen. Am Donnerstag wurden kurzfristig 20 Metrostationen in Caracas geschlossen, um die Anreise zu Demonstrationen zu erschweren.

Auch am Mittwoch wurden aus diversen Städten heftige Zusammenstösse zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gemeldet.

OPPOSITION: Die Parlamentswahl 2015 gewann das Bündnis "Mesa de la Unidad Democrática" deutlich. Von Saab fordern die Regierungsgegner ein eindeutiges Statement gegen den Obersten Gerichtshof, der dem oppositionell dominierten Parlament jüngst kurzzeitig die Befugnisse entzogen hatte. Doch es gibt keine klare Führungsfigur - und Repression: Der charismatische Leopoldo López sitzt im Gefängnis, der 2013 gegen Maduro unterlegene Henrique Capriles wurde mit einem Verbot belegt, in den nächsten 15 Jahren als Kandidat anzutreten. US-Präsident Donald Trump forderte zuletzt seine sofortige Freilassung. Deshalb können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden. Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass die Wirtschaftsleistung 2017 um 7,4 Prozent schrumpft. Für das kommende Jahr rechnet der IWF sogar mit einer Teuerungsrate von rund 2000 Prozent. Bislang kamen sieben Menschen ums Leben.

Comments