Neuer französischer Präsident : Auf Augenhöhe: Macron zum Antrittsbesuch bei

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Kanzlerin Angela Merkel will gegenüber dem neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron keinesfalls als "Besserwisser" auftreten.

Macron, der 2016 von sich aus die sozialistische Regierung verließ und seine Präsidentschaftskandidatur gegen den Willen von Hollande startete, darf aber jetzt auf keinen Fall, den Eindruck einreißen lassen, er sei der geheime Spross des unpopulären, sozialistischen Ex-Staatschefs. "Die Spaltung und die Brüche in unserer Gesellschaft müssen überwunden werden", sagte Macron. Er wolle den Franzosen ihr Vertrauen in sich selbst wiedergeben, sagte Macron.

Aber es fehlte Hollande an Charisma, und sein aussenpolitischer Aktivismus liess die Schwäche der französischen Wirtschaft besonders deutlich werden, was Frankreichs Stellung auf der Weltbühne gemindert hat. Die Kanzlerin sprach angesichts des aufsteigenden Rechtspopulismus von einem sensiblen Moment der Geschichte, aus dem heraus man Europa festigen wolle. "Die Welt und Europa brauchen Frankreich mehr denn je, ein starkes Frankreich, das seine Stimme für Freiheit und Solidarität laut erhebt".

Beim Antrittsbesuch des pro-europäischen Macrons hat Merkel am Montagabend ihre bisherige Zurückhaltung in der Frage einer Reform der EU-Verträge fallen gelassen.

Hollande verliess den Elysée-Palast unter dem Applaus seiner Mitarbeiter und nach einer herzlichen Verabschiedung durch seinen ehemaligen Wirtschaftsminister, der ihm nun im Elysée folgt. Das Land leidet seit Jahren unter einer hohen Arbeitslosigkeit. Auch diese Personalentscheidung zeigt die Bedeutung, die Macron den französisch-deutschen Beziehungen beimisst. Nach Angaben seines Teams versuchte er am Sonntag betont bescheiden aufzutreten. Macron legte anschließend einen Kranz am Grab des Unbekannten Soldaten am Pariser Triumphbogen nieder. Seinen Regierungschef will Macron heute ernennen. Die übrigen Regierungsmitglieder sollen am Dienstag ernannt werden. Dabei geht es vor allem um eine Art Finanzminister für die Euro-Zone, der auch mit einem eigenen Budget ausgestattet sein könnte und von einer Art Euro-Zonen-Kammer des Europäischen Parlaments kontrolliert würde.

Mit Blick auf Europa forderte Macron weitere Reformen. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) schlägt laut einem Bericht des Spiegel vor, für zusätzliche Investitionen einen Teil der Rücklagen für die Altlasten der deutschen Atomenergie einzusetzen. Im Juli nach den Parlamentswahlen in Frankreich soll es dazu eine gemeinsame Kabinettssitzung geben.

Macron ist der jüngste französische Präsident in der Nachkriegszeit. Jeder verstand wen Macron meinte, auch wenn er Marine Le Pen nicht namentlich erwähnte. Seine Bewegung "En Marche!" ist bislang nicht in der Nationalversammlung vertreten. Anders als die meisten Kandidaten hatte er Deutschland im Wahlkampf nicht als Problem Frankreichs dargestellt.

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