Aufschrei in Cannes: Netflix erobert das Filmfest

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Filmfestspielen in Cannes, bevor am 28. Juni dann auch Netflix-Kunden auf der ganzen Welt mitfiebern können, wenn Newcomerin An Seo Hyun als "Mija" zu einem Abenteuer der außergewöhnlichen Art aufbricht. Vor den Filmen in der offiziellen Auswahl wird seit Jahren ein kurzer Trailer gezeigt, bei dem rote Stufen aus dem Meer aufzusteigen scheinen.

"OKJA" erzählt nun von dem Mädchen Mija, das mit dem Riesentier OKJA befreundet ist. Das Werk ist mit Tilda Swinton, Jake Gyllenhaal und Paul Dano prominent besetzt.

In Okja geht es um ein junges Mädchen, das alles riskiert um ihren Freund Okja, ein großes freundliches Tier zu retten, welches von einem multinationalen Konzern entführt wurde. Die Naturaufnahmen stehen im drastischen Kontrast zur künstlichen Unternehmenswelt und den Massentierhaltungen. Möglicherweise spielt aber gar keine Rolle, wie gut oder preiswürdig dieser Film ist. Ist der Jurypräsident also voreingenommen? Denn der Videostreamingdienst dürfte seine eigenen Produktionen erst drei Jahre nach der Kinoveröffentlichung in Frankreich zeigen.

Die Gemüter sind erhitzt, eine wirkliche Diskussion scheint kaum noch möglich. Das Festival sah sich schon so stark unter Druck gesetzt, dass es die Statuten änderte: Ab dem kommenden Jahr müssen alle Filme im Wettbewerb verpflichtend auch einen späteren französischen Kinostart haben. Immerhin ist es schlichtweg nicht wahr, dass Netflixfilme nur bei dem Streamingdienst laufen. Das mag nicht viel sein, aber auch andere Filme eines Festivals werden danach oft nur in sehr wenigen Ländern gezeigt. Der Film soll zumindest in den USA und in Südkorea auf die Leinwand kommen. Die Angst vor Streamingdiensten als Produzenten wirkt aber sowieso ein bisschen wie die generelle Angst der Filmwelt vor Veränderung.

Um den stetig wachsenden Nahrungsverbrauch der Menschen zu stillen, haben Forscher in Netflix' Monsterepos Okja von The Host-Schöpfer Bong Joon Ho (Snowpiercer) ein Wesen erschaffen, das kosteneffizient gehalten werden kann und gleichzeitig Unmengen von Fleisch produziert. Netflix wird noch einen weiteren Film in Cannes zeigen. Doch auch sie findet die Diskussion interessant, dennoch sagte sie: "Wie bei vielen Sachen gilt: Es gibt Platz für alle!"

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