Neue FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag wählt Lindner zum Vorsitzenden

Einstellen Kommentar Drucken

Und so ist der aktuelle Erfolg kein plötzlicher, sondern ein gewachsener, der die Partei langfristig wieder stabil machen kann. Nun, zumindest einer: Christian Lindner. Lindner hat sich zu dieser riskanten Strategie stets offen bekannt - wohl wissend, dass die Aufforderung an die Wähler, auch über seine Berliner Zukunft abzustimmen, angesichts der Häme, die der FDP nach dem Bundestags-Aus 2013 entgegenschlug, nach hinten hätte losgehen können - ist es aber nicht. Aber er will die FDP im September auch zurück in den Bundestag bringen - und dann in Berlin bleiben, möglicherweise als Juniorpartner von Angela Merkel. Die CDU habe massiv dagegen gekämpft, was für Lindner kein Anlass für Betroffenheit sei, sondern die eigenständige Positionierung der FDP belege.

Eine kleine Szene am Wahlabend in Düsseldorf illustrierte das enorm gestiegene Selbstbewusstsein der Liberalen: "Wir sind nicht der Wunschpartner von Herrn Laschet, und er ist nicht unser Wunschpartner", erklärte Lindner vor den laufenden Kameras der "Tagesschau" im Beisein des CDU-Wahlsiegers Armin Laschet. Sämtliche ostdeutschen Landtage sind eine FDP-freie Zone, und auch im Saarland scheiterte die Partei Ende März an der Fünf-Prozent-Hürde. Parteichef Lindner will zunächst eine mögliche Koalition mit der CDU aushandeln, dann aber in die Bundespolitik wechseln.

Die FDP werde, falls es zur großen Koalition komme, als dritte Kraft die Koalition aus dem Parlament heraus angreifen.

Aus den Trümmern der Partei, die Westerwelle 2009 auf ein Rekordergebnis von mehr als 14 Prozent gehievt hatte und die unter der "Boy-Group" Rösler/Bahr vier Jahre später in der schwarz-gelben Koalition abgestürzt war, rehabilitierte Lindner die FDP so mit jeder Wahl wieder ein wenig mehr als seriöse Regierungsalternative zu SPD und den Grünen - wenngleich lange auf niedrigem Niveau.

Das könnte ein willkommener Nebeneffekt sein, aber Lindners Koalitions-Skrupel sind erstzunehmen. Schließlich, als der gelbe Balken so hoch ging wie noch nie in der Geschichte der NRW-FDP, war kein Halten mehr. Stimmensplitting, also die Aufteilung von Erst- und Zweitstimme auf CDU und FDP, habe es in NRW so gut wie gar nicht gegeben. Dass er darauf allerdings nicht bauen kann, dürfte auch Lindner wissen.

Der FDP-Chef räumte ein: "Es ist nicht ganz einfach, jetzt den richtigen Ton zu treffen". Die Schmach von 2013, als die FDP zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte an der Fünfprozenthürde scheiterte, will er wiedergutmachen. Lindner will sich alle Optionen offenhalten, auch für die neuen bunten Bündnisse, die Jamaika heißen oder Ampel. Der designierte Ministerpräsident hatte bereits angekündigt, dass er mit verschiedenen Parteien reden werde und es durchaus Übereinstimmungen mit der FDP gebe. In seiner Bewerbungsrede hatte Lindner erklärt, die "Zeit der Trauer sei vorbei", und dazu aufgerufen, die Partei "vom Fundament" her zu erneuern. Er betonte am Montag, seine Partei habe in NRW Wähler von SPD, Grünen, CDU und auch Nichtwähler gewonnen.

Die Landes-FDP war bei der Nordrhein-Westfalen-Wahl am Sonntag mit 12,6 Prozent drittstärkste Kraft geworden und stellt im neuen Düsseldorfer Landtag 28 Abgeordnete. Genau so hatte sich Lindner am Tag vorher seine FDP auch vorgestellt, als er für einen winzigen Augenblick Einblick in sein Gefühlsleben zuließ, das er sonst so perfekt zu tarnen versteht.

Der 38-jährige studierte Politikwissenschaftler, der mit einer Journalistin verheiratet ist und in der Nähe von Düsseldorf lebt, galt schon früh als Wunderkind der FDP. Ausgerechnet den Dunkelroten hat Lindner das "Dilemma" in NRW übrigens auch zu verdanken.

Comments