Sachsen-CDU sieht in Studie zu Rechtsextremismus im Osten Stereotype zusammengetragen

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Bei der Vorstellung in Berlin betonte die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, die Notwendigkeit der Untersuchung: "Es gibt in gewissen Regionen im Osten eine historisch gewachsene Neigung zu Fremdenfeindlichkeit und rechtsextremem Denken, die in der politischen Debatte nicht einfach beiseite gewischt werden dürfen".

Die Studie warnt derweil davor, ganz Ostdeutschland über einen Kamm zu scheren. Gründe dafür seien zwei aufeinanderfolgende Diktaturen, die Homogenität der einstigen DDR-Gesellschaft und die Veränderungen nach dem Mauerfall, zitierte die "Berliner Zeitung" am Donnerstag vorab aus der Untersuchung des Göttinger Instituts für Demokratieforschung. Die Ostdeutschen sind in ihrer Mehrheit nicht fremdenfeindlich und rechtsextrem.

Zwischen Mai 2016 und Dezember 2016 seien dort nun "knapp vierzig Einzelinterviews mit Personen vor Ort durchgeführt", mit Beobachtern und Akteuren aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft sowie weitere Gespräche mit Bewohnern. Die Mehrheit der Ostdeutschen sei jedoch nicht rechtsextrem. Hinzu kämen die erlebte Vereinzelung nach 1989 und die aus der DDR ererbten überzogenen Erwartungen an den Staat. Zu regionalen Faktoren in Teilen Sachsens zähle zudem "die Überhöhung des Eigenen, Sächsischen, Ostdeutschen, Deutschen in Bezug auf die krisenhaft wahrgenommene Aufnahme von Flüchtenden, aber auch auf Migrantinnen im Allgemeinen", heißt es demnach in der Studie, die heute vorgestellt werden soll.

In Freital und Heidenau bei Dresden gebe es ein "romantisierendes Bild der DDR" zum Umgang mit den früheren Vertragsarbeitern im Gegensatz zu den heutigen Migranten, meint Lühmann. Wer Probleme mit rechten Einstellungen benenne, werde auch als Nestbeschmutzer angesehen. Dabei habe die Stadtverwaltung in Freital jede Auseinandersetzung von vornherein abgewehrt.

Die Forscher würden verkennen, dass es auch in Sachen "unglaublich viel Engagement in der Bürgerschaft für Flüchtlinge, für Menschen die in Not sind" gebe. Zu nennen seien hier beispielsweise die Städte Jena, Leipzig oder Hoyerswerda. Eine Erklärung für den ausgeprägten Antiamerikanismus und die Russlandfreundlichkeit in der Region Dresden sehen die Forscher in dem Opfermythos, der seit der Zerstörung Dresdens durch alliierte Bomber in der Gegend stark gepflegt werde. Ethnozentrische Weltbilder, die von der modernen extremen Rechten vertreten würden, seien vor allem bei älteren Befragten verbreitet, weil die Migrationspolitik der DDR auf einem solchen Prinzip basiert habe: "Völkerfreundschaft ja, aber alle Migranten sind als Gäste zu betrachten".

Forscher der Universität Göttingen sind dieser Frage nachgegangen. Die Beauftrage fpr die neuen Bundesländer, Iris Gleicke (SPD), sagte laut der Nachrichtenagentur epd, dass Vorschläge mit erhobenem Zeigefinger deshalb auch nicht weiterhelfen würden.

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