Schweden stellt Vergewaltigungsverfahren gegen Assange ein

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Die britischen Behörden wollen Assange festnehmen, sobald er das Gebäude verlässt. Ihr Mandant sei "rechtswidrig bestraft" worden und sitze aufgrund dieser Verfolgung seit Juni 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Zu Beginn seines Auftritts reckte er die Faust. Bisher hatten drei Polizisten rund um die Uhr die Botschaft in Hans Crescent, gleich um die Ecke vom Luxuskaufhaus Harrod's, bewacht - was den britischen Steuerzahler bisher mehr als zehn Millionen Pfund gekostet und immer wieder zu Protesten geführt hat. Das eingeleitete Verfahren wurde nun gestoppt. Der beteuerte seine Unschuld und versuchte immer wieder, eine Aufhebung des Haftbefehls zu erreichen. Er befürchtete, dass ihn Schweden an die USA ausliefern könnte.

Im Juli 2010 veröffentlichte WikiLeaks etwa 90.000 zumeist geheime US-Dokumente über den Afghanistan-Krieg. Der Konflikt mit Großbritannien und den USA sei noch nicht beendet. "Wir haben diese Entscheidung nicht getroffen, weil wir alle Beweise gesehen haben, sondern weil wir keine Möglichkeiten gesehen haben, das Verfahren zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen".

Die Schuldfrage sei allerdings nicht geklärt. Nach langem Tauziehen um eine Befragung des Australiers zu den Vorwürfen hatten die schwedischen Staatsanwälte ihn vor einem halben Jahr in der Botschaft Ecuadors verhört. "Das kann ich nicht vergeben und nicht vergessen", sagte er in London. "Es geht nicht um Geld, sondern um Wiedergutmachung", zitierte das schwedische Radio seinen Anwalt Per E. Samuelson.

Die Vergewaltigungsvorwürfe stammen aus dem Jahr 2010.

Für die schwedische Justiz ist der Fall aber noch nicht endgültig erledigt. Gut geht es dem Wikileaks-Gründer dort aber laut seiner Mutter nicht: "Sein Körper gibt langsam auf, er hat schon Herzprobleme, eine chronische Lungenentzündung und schwere Schulterschmerzen", hatte sie dem australischen Rundfunksender ABC im Februar 2016 gesagt. Sie halte nach wie vor am Vergewaltigungsvorwurf fest. Seitdem lebt er in der Botschaft.

Der von Trump ernannte US-Justizminister Jeff Sessions hat unlängst die Verhaftung von Assange als Priorität bezeichnet. Wie der Nachrichtensender Sky News berichtet, soll es sich dabei um einen Verstoss gegen die Auflagen handeln, die Assange 2012 akzeptiert hatte.

Er habe gegen Kautionsauflagen verstossen, weil er es 2012 versäumt habe, sich im Zusammenhang mit dem damals von Schweden betriebenen Auslieferungsverfahren den britischen Behörden zu stellen. Die Entscheidung der schwedischen Justiz bezeichnete er als "wichtigen Sieg" - laut Medienberichten erwägt er eine Klage gegen den schwedischen Staat. London müsse Assange nun eine sichere Passage garantieren. Assange wird ein gutes Verhältnis zum scheidenden Präsidenten Rafael Correa nachgesagt.

Sie allein wagt den Blick aus den Fenster: Die Katze, die mit Assange in der Botschaft lebt.

Die Regierung von Ecuador forderte von Großbritannien freies Geleit für Assange.

Auch nach der Einstellung der schwedischen Ermittlungen klingt er nicht gerade versöhnlich. "Wir haben den Fall gewonnen", sagte der Jurist dem schwedischen Rundfunk. Julian Assange stellte ein altes Foto auf Twitter, das ihn breit lächelnd zeigt.

Assange hatte sich einem Prozess nicht grundsätzlich verweigert, obwohl er seit Jahren behauptet, dass an den Vorwürfen nichts dran sei.

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