Neuer Skandal - In Brasilien droht ein politisches Erdbeben

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Doch nach mehreren Krisensitzungen sagte Temer in Brasilia: "Ich werde nicht zurücktreten". Nach der Veröffentlichung von Gesprächsmitschnitten, in denen Präsident Michel Temer zu hören gewesen sein soll, wie er Schweigegeldzahlungen anordnete, wehrt sich der Regierungschef. Die Märkte leben von der Zukunft. Dieser entschied nun die Einleitung von Ermittlungen gegen Temer.

Doch Temer will im Amt bleiben. Doch die Rücktrittsforderung steht nicht nur im Raum, sondern hallt durch Brasiliens Strassen. Die Demonstrationen werden am Wochenende anhalten. Jahrelang haben Großunternehmen Millionenbeträge an führende Politiker bezahlt, um im Gegenzug Milliardenaufträge und zinsgünstige Kredite von halbstaatlichen Unternehmen und Banken zu erhalten. Der mit Abstand größte Medienkonzern des Landes, "O Globo", bisher Befürworter von Temers Reformpolitik zur Überwindung der tiefen Rezession, erklärte den Bruch mit dem Präsidenten. Temer ist in den vergangenen Tagen immer stärker unter Druck geraten. Er könnte von Temer mit der Lösung der Angelegenheit beauftragt worden sein. Bereits liegen acht Anträge auf ein Absetzungsverfahren vor. Der Oberste Gerichtshof ließ Neves' Immunität aufheben, es kam am Donnerstag zu Razzien. Erweisen sich diese Vorwürfe als wahr, müsste Temer sein Amt niederlegen. Er soll den Unternehmer Joesley Batista dazu aufgefordert haben, Schweigegeld an potentielle Zeugen zu zahlen.

Rousseffs Anhänger sehen sich mit den Enthüllungen von "O Globo" in ihrem Vorwurf bestätigt, die Amtsenthebung der linken Präsidentin am 12. Mai 2016 sei ein "Putsch" der konservativen und liberalen Kräfte gewesen. "Wir sind gegen indirekte Wahlen", sagt dieser Rentner. Vor allem die oppositionelle Seite fordert jedoch eine direkte Neuwahl durch das Volk, wofür eine Verfassungsänderung notwendig wäre. Seine Amtszeit endet regulär Ende 2018. Zudem soll Ex-Präsidentschaftskandidat Aécio Neves zwei Millionen Reais (580.000 Euro) von Batista gefordert haben, um beim Lösen der Probleme zu helfen. Wegen der aus seiner Sicht zweifelhaften Beweismittel will er den Obersten Gerichtshof um eine Suspendierung der Ermittlungen bitten. Am Donnerstag verhaftete die Bundespolizei die Schwester sowie einen Cousin von Neves. Zwar ermittelt die Justiz seit 2014 in einem weit verzweigten Skandal um Schmiergeldzahlungen, in den fast alle im Kongress vertretenen Parteien verwickelt sind. Firmeninhaber Batista entschuldige sich öffentlich für sein Fehlverhalten.

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