Deutschland bäumt sich gegen Trump auf

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Sein Fazit: "Der Westen wird gerade etwas kleiner".

"Wir Europäer müssen endlich erkennen, dass unsere Zukunft in unseren Händen liegt". Das Publikum klatschte minutenlang.

In den USA beginnt man Sorge zu hegen, dass US-Präsident Donald Trump mit seiner Intention, die EU zu spalten und zu schwächen, das Gegenteil bewirken könnte. Merkels Äußerung sei "sehr bedeutsam".

Anne Applebaum, Kommentatorin der "Washington Post", schreibt, dass sich das transatlantische Verhältnis nun völlig verändert habe.

Die "New York Times "zitierte den früheren US-Botschafter bei der NATO, Ivo Daalder, mit den Worten: "Dieses scheint das Ende einer Ära zu sein, in der die USA geführt haben und Europa gefolgt ist."Richard Haas vom Think Tank Council on Foreign Affairs beschrieb Merkels Äußerungen als eine Wasserscheide in den Beziehungen beider Staaten". Verbunden mit ihrer Trump-Kritik ist der eindringliche Appell an die eigenen Landsleute ebenso wie an die Europäer, mehr Verantwortung zu übernehmen. Wenn etwa der Iran-Atom-Deal ins Stolpern gerate, könne es sein, "dass Europa in einer gefährlichen Krise nicht auf der Seite Donald Trumps stehen wird". Hat Merkel 14 Jahre später den Schröder gemacht und der SPD einen der letzten Trümpfe aus der Hand genommen? Sie sei der Beginn einer "neuen EU" - die stärker, selbstbewusster und unabhängiger von den USA sei.

Für die russische Führung hat Merkels Aussage nach eigener Darstellung zunächst keine Bedeutung. Beim Besuch des deutschen Nachhaltigkeitsrates betonte sie, dass sich Deutschland und die EU nicht mehr völlig auf Partner verlassen könnten. Nach dem Willen der Bundesregierung soll Europa nun voranschreiten und das Machtvakuum in der internationalen Politik füllen.

Welche Konsequenzen Merkels Donnerschlag-Rede haben wird, ist noch kaum abzusehen. Das Politikmagazin "Politico" meint "nein".

Dabei erinnerte Merkels Kursschwenk stark an Gerhard Schröder. Die Besonderheit sei, dass Merkel Europa erstmals als Gewinnerthema für die anstehenden Wahlen entdeckt habe.

Merkel dürfte sich der Brisanz ihrer Worte im Münchener Stadtteil Trudering bewusst gewesen sein. Das könnte allmählich bröckeln, zumal die Trump-Regierung den Anti-Russland-Kurse der Vorgängerregierung und vieler transatlantischen Falken in den USA nicht fortsetzen will. Es sei zu früh, von einer massiven Veränderung in den transatlantischen Beziehungen zu sprechen. "Ein starker Partner bei der Verteidigung, der Sicherheit und wir hoffen auch beim Handel". In München blieb Merkel sich treu und machte damit ihren Standpunkt umso klarer. Als andere den neuen Mann im Weißen Haus längst als Gefahr für die Welt abgeschrieben hatten, hoffte sie weiter, dass Trump nach seinem Amtsantritt vielleicht doch noch Vernunft annehmen würde. Beim G-7-Gipfel sei Merkel anders als der US-Präsident "in ihrem Element" gewesen.

Schon jetzt ist klar, dass jene Worte, die Kanzlerin Angela Merkel bei einem Wahlkampfauftritt in München sagte, bereits Geschichte geworden sind. Sie ist nicht wie unsere Premierministerin. Sie sagt, es gibt keine Probleme, nur "Aufgaben", die gelöst werden müssen. Und wenn man sie anschaut, kommt der Gedanke auf: "‚Das ist der Inbegriff von stark und stabil".

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