Dirigent Sir Jeffrey Tate gestorben

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Er wurde stark geprägt durch seine Lehrzeit bei Herbert von Karajan, assistierte 1976 Pierre Boulez beim Bayreuther "Jahrhundert-Ring" unter Regie von Patrice Chéreau und machte dann eine beeindruckende Dirigentenkarriere, mit leitenden Positionen am Teatro San Carlo in Neapel, in Rotterdam sowie, ab 2009, bei den Hamburger Symphonikern. Seine musikalische Laufbahn begann er am Royal Opera House Covent Garden in London.

Seit der Saison 2009/10 wirkte Sir Jeffrey Tate äusserst erfolgreich als Chefdirigent der Hamburger Symphoniker. "Aber ich schaue nicht zurück mit Bitternis, weil ich die Musik so liebe", sagte Tate einmal. Die Behinderung habe ihm auch ein Gefühl von Abstand gegeben, um die Dinge besser beobachten zu können. Im Laufe seiner Karriere dirigierte er neben vielen anderen auch das London Symphony Orchestra, die Berliner Philharmoniker und das Cleveland Orchestra. Selbst als er 2011 nach einer Lungenentzündung schwere Atemprobleme bekam und seitdem nachts auf einer Sauerstoffgerät angewiesen war, wollte er das Dirigieren nicht aufgeben. Intensiv beschäftigte er sich auch mit den romantischen und spätromantischen Komponisten, vor allem mit den beiden Richards, Strauss und Wagner. Tate sei nicht nur ein Glücksfall für die Symphoniker, sondern auch ein wunderbarer Botschafter der Musikstadt Hamburg in der ganzen Welt und einer ihrer Großen gewesen. "Ich versuche eher, warmherzig zu den Musikern zu sein", sagte der stets bescheiden und charmant auftretende Dirigent. Kritiker lobten die Präzision des Dirigenten und seine niemals kleinliche Liebe zum Detail. Sie seien "vom völlig überraschenden Ableben" zutiefst erschüttert. "Für die Stunden, Tage und Jahre, die wir mit Sir Jeffrey verbringen durften, sind wir unendlich und unsagbar dankbar".

Tate wurde erst am 19. April im Buckingham Palace von Prinz William zum Ritter geschlagen. "Ich habe die Ritterwürde nicht erwartet und vielleicht wird sie mein Leben nicht komplett verändern - und trotzdem fühle ich mich ein klein bisschen anders", sagte er nach der Zeremonie.

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