WDH/ROUNDUP/Krise am Golf: Katar und seine Gegner zeigen sich unversöhnlich

Einstellen Kommentar Drucken

Er sei verwundert, wie politisch "zerbrechlich die arabischen Staaten sein müssen, wenn ein kleines Emirat wie Katar für sie zu einer strategischen Gefahr wird".

Es gibt eine Lesart der Eskalation am Golf, die Trump einen wesentlichen Anteil daran beimisst: Saudi-Arabien und die anderen Staaten nutzen die Gunst der Stunde, die sich ihnen mit dem Machtwechsel in Washington geboten hat, um einen unbequemen, aufstrebenden Nachbarn zurechtzustutzen, dem an einer Veränderung des traditionellen Machtgefüges in der Region gelegen ist. In zwei weiteren Tweets schrieb er: "Sie haben gesagt, dass sie eine harte Linie gegenüber der Finanzierung von Extremismus einschlagen werden, und alle Hinweise haben auf Katar gezeigt". "Vielleicht wird das der Anfang vom Ende des Terrorhorrors sein". Damit ist das Golf-Emirat, in dem 2022 die Fußball-WM ausgetragen werden soll, isoliert.

Tatsächlich hat Katar vergleichsweise enge Beziehungen zum Iran. "Denn Saudi-Arabien setzt nach der demonstrativen Unterstützung der USA nun seine Rolle als regionale Ordnungsmacht hart durch". Das Land gehe entschlossener gegen Terrorismus vor als viele der Unterzeichner der Terrorliste, hieß es aus Doha. Trump lobte bei einem Gespräch mit ihm damals, die Beziehungen zu Katar seien "extrem gut". Ausnahmsweise hat man mal uns nicht alles in die Schuhe schieben wollen. Die Vereinigten Staaten sind mit allen Konfliktparteien eng verbündet. In dem Golf-Emirat befindet sich die größte US-Militärbasis im Vorderen Orient. Dort haben US-Geheimdiente eine Basis, dort liegt die Al Udeid Air Base mit etwa 11.000 amerikanischen und verbündeten Soldaten.

Kuwaits Emir Sabah al-Ahmed al-Dschabir al-Sabah bemühte sich ebenfalls um Vermittlung in dem Streit. Das lag maßgeblich an dem Atomabkommen mit dem schiitischen Iran, dem Erzrivalen Saudi-Arabiens. "Wir sehen Katar als Bruderstaat, als Partner". Außenminister Mohammed bin Abdulrahman bin Djasim al-Thani erklärte, sein Land werde keine eskalierenden Schritte unternehmen. Diese Maßnahmen werden mitgetragen von drei arabischen Staaten - Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten - sowie dem Präsidenten Jemens. Die Beziehungen könnten nur wiederhergestellt werden, wenn die Regierung in Doha ihre Politik ändere. Öl-Anleger fürchten nach Experten-Einschätzung, dass die Spannungen die Bemühungen des Förderkartells Opec untergraben, die Produktionsmenge zu begrenzen und das weltweite Überangebot einzudämmen.

Aber unabhängig davon, was Doha vorgeworfen wird, ist der wichtigste Grund des aktuellen Skandals die geopolitische Rivalität zwischen Katar und Saudi-Arabien. Am Montag gab es bereits Hamsterkäufe in den Supermärkten. Qatar Airways muss im Gegenzug Dutzende Verbindungen in die Nachbarländer und Ägypten streichen, unter anderem nach Dubai oder Riad. Zugleich betonte er das große Interesse Deutschlands am Erhalt der Anti-IS-Koalition.

Donald Trump stellt sich auf die Seite Saudi-Arabiens. Für Mittwoch stand ein Treffen mit Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) in Berlin auf seinem Programm. Zudem forderten sie, Katar dürfe nicht länger Bürgern anderer Golfstaaten seine Staatsangehörigkeit verleihen.

Saudiarabien hatte am Montag die Einrichtung einer diplomatischen und wirtschaftlichen Blockade gegen Katar unter anderem mit Informationen begründet, die in der Falschmeldung enthalten waren.

Comments