Air Berlin: 300 Millionen Euro stehen auf der Kippe

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Ihnen sollen bei einer Mitarbeiterversammlung am Donnerstagnachmittag in Hannover weitere Informationen zu den Plänen des Konzerns für eine Neu-Positionierung der konzerneigenen Tuifly mitgeteilt werden. Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte am Abend: "Das Land Berlin wird gemeinsam mit dem Bund die Bürgschaftsanfrage von Air Berlin sorgfältig prüfen".

Thomas Winkelmann, Generaldirektor der Air Berlin Group, ergänzt: "Innerhalb der Air Berlin Group wird es zwei klar getrennte Divisionen geben". Doch die große Zeit ist längst vorbei. Damit soll der Verkauf der Tochterfirma Niki an den arabischen Großaktionär Etihad vorbereitet werden. Nach dem Regierungswechsel in NRW und der Abwahl der rot-grünen Regierung verhandeln in Düsseldorf aktuell die CDU und die Liberalen über ein Bündnis und die künftige Wirtschaftspolitik. Am Morgen war bekannt geworden, dass der arabische Air-Berlin-Großaktionär Etihad die Gespräche mit dem Tourismuskonzern Tui über den Aufbau einer gemeinsamen Ferienfluggesellschaft aus der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki und der TuiFly abgebrochen hat. Dadurch sollte die Sanierung von Air Berlin mit auf den Weg gebracht werden. Die schwer angeschlagene Air Berlin, Mutter der österreichischen Niki, versucht es trotzdem. Dafür sind bereits vor Monaten 300 Millionen Euro von Etihad an die Not leidende Air Berlin geflossen. Dass in absehbarer Zeit das Geld ausgeht, sei nicht zu erwarten, hieß es von Air Berlin.

Laut Insidern bleibt eine Insolvenz eine Alternative: In der Branche kursiert die Vermutung, dass die Zahlungsunfähigkeit bewusst herbeigeführt werden könnte.

Die Hauptbürgschaft könnte also schlussendlich vom Land Berlin und auch von Deutschland übernommen werden.

Das machte das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag klar. Sie sucht nun Hilfe bei den Regierungen in Berlin und Nordrhein-Westfalen. Noch im April hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Abu Dhabi begleitet, um da auch für eine weitere Annäherung von Etihad und Lufthansa zu werben. Air Berlin müsse nun alle nötigen Unterlagen einreichen.

Damit kommt auch wieder die Air-Berlin-Tochter Niki ins Spiel. Konzernchef Friedrich Joussen hatte gegenüber den Medien in letzter Zeit wiederholt offen gelassen, ob und wann unter den Vertrag tatsächlich die Unterschriften gesetzt werden könnten. Neben Air Berlin steht dabei auch die Beteiligung an der Alitalia im Fokus. Die Umstellung der internen Abläufe mit Beginn des Sommerflugplans Ende März habe sich als aufwendiger herausgestellt als geplant, sagte ein Sprecher.

Nach Milliardenverlusten in den vergangenen Jahren ist die Strategie jedenfalls gescheitert. Falls das Kartellamt Einwände hat, müsste Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries zum Mittel der Ministererlaubnis greifen, wenn sie sich als Retterin von rund 8500 Arbeitsplätzen feiern lassen will. Die Schulden liegen bei mehr als einer Milliarde Euro. Air Berlin sitzt auf hohen Schulden und fliegt weiter Verluste ein. Allerdings wurden am Mittwoch wieder Flüge von Berlin nach Wien, Palma de Mallorca, Zürich und New York abgesagt. Für die Flügpläne der beteiligten Airlines habe der geplatzte Deal keine unmittelbaren Konsequenzen, betonen sowohl Airberlin als auch Tui.

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