Frankreichs Präsident Macron wählt in Le Touquet

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Bewahrheiten sich die Umfragen, hätte Macron eine der größten parlamentarischen Mehrheiten seit Gründung der Fünften Republik 1958 - und weitgehend freie Bahn für seine sozialliberalen Reformen.

Bei den Sozialisten sind einige prominente Köpfe in ihren Stimmkreisen schon im ersten Wahlgang ausgeschieden, darunter Parteichef Jean-Christophe Cambadélis und Ex-Präsidentschaftskandidat Benoît Hamon. Zwei Meinungsforschungsinstitute hielten es auf Basis von Umfragen und dem Ergebnis des ersten Wahldurchgangs sogar für möglich, dass Macrons Partei La République en Marche und ihre Verbündeten bis zu 470 der 577 Mandate erobern. Meinungsforscher sagen ihm 390 Sitze voraus, die absolute Mehrheit liegt bei 289 Sitzen. Er will in den kommenden Monaten unter anderem eine umstrittene Lockerung des Arbeitsrechts auf den Weg bringen. Das hilft der Partei von Präsident Macron. Wahlforscher rechnen mit einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung von 46 oder 47 Prozent.

Sechs Wochen nach Macrons Wahl zum Präsidenten müssen die traditionellen Regierungsparteien der bürgerlichen Rechten und der Sozialisten mit einer weiteren herben Niederlage rechnen.

Im bisherigen Parlament hatte sie mit 277 Abgeordneten die Mehrheit.

Auch die konservativen Republikaner bemühen die Schreckvokabel. "Eine erdrückende Mehrheit könnte die Debatte erdrücken", mahnt Senator François Baroin, der die konservativen Republikaner wenig erfolgreich in den Wahlkampf führte. Im zweiten Wahlgang treten in einem Wahlkreis die beiden Bestplatzierten der ersten Runde gegeneinander an. Dem rechtspopulistischem Front National wird es wahrscheinlich nicht gelingen, genügend Sitze für die Bildung einer Fraktion zu erlangen, auch für das linkssozialistisch-kommunistische Wahlbündnis La France Insoumise von Jean-Luc Mélenchon wird es eng. Die Partei dürfte im heutigen zweiten Wahlgang wegen des Mehrheitswahlrechts weniger als zehn Mandate gewinnen. Für die zweite Wahlrunde qualifizierten sich unter anderem Philippot und Le Pen.

Die etablierten Parteien werden vermutlich eine erneute Schlappe kassieren. Schon bei der Präsidentschaftswahl im April und Mai hatten die Franzosen die Traditionsparteien abgestraft.

Paris. Am Sonntag entscheiden die Franzosen abschließend über die Sitzverteilung in der Nationalversammlung. Um sein Wahlversprechen einer politischen Erneuerung einzuhalten, nominierte Macron zur Hälfte Kandidaten ohne politische Vorerfahrung.

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