Moutier will von Bern zum Kanton Jura wechseln

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Nach dem Ja zum Kantonswechsel in Moutier ist der Jubel bei der jurassischen Regierung gross. Die Jura-Delegation rief zum Respekt der unterlegenen Minderheit in Moutier auf.

Die Mehrheit des Stimmvolks von Moutier bekräftigte damit ihr bereits 2013 an der Urne abgegebenes Bekenntnis zum Kanton Jura.

Den Separatisten geht es in erster Linie um ihre frankofone Identität. Von Bern fühle man sich nicht repräsentiert. Jurassier seien gesellig, freigeistig, liebten die Kontroverse und das Fest. Sie sehen keinen Grund, den Kanton zu wechseln.

Im Kanton Jura wird Moutier dannzumal zweitgrösste Stadt sein - nach dem 10 Kilometer entfernten Hauptort Delsberg.

Das Stimmlokal in der Mehrzweckhalle Societ'halle wurde am frühen Freitagabend geöffnet.

Nebst den Sicherheitskräften wachen Beobachter des Bundes über den korrekten Ablauf der Abstimmung, die in der Region für viele Emotionen sorgt. Sie hatten schon früher bekannt gegeben, ganz auf eine Abstimmung zu verzichten. Die Zeiten, in denen Terroristen ihr Unwesen trieben und die Scheunen der Nachbarn abbrannten, sind vorbei.

Bei der Auszählung der Stimmzettel sind am Sonntag Juristen des Bundesamts für Justiz dabei, um Kontrollen bei den Abstimmungsausweisen vorzunehmen.

Vor dem Urnengang sind drei Rekurse (ohne aufschiebende Wirkung) beim Regierungsstatthalter des Berner Jura eingegangen.

Sie betreffen die Vorwürfe, wonach Abstimmungscouverts aus Altersheimen mitgenommen worden seien oder im Abstimmungsregister auch die Namen von bereits Verstorbenen figuriert haben sollen.

Auch der Bernjurassische Rat betonte in einem Communiqué, das demokratisch zustandegekommene Abstimmungsresultat sei zu respektieren. Der Kanton Bern sprach von einer Verwechslung, die Jura-Autonomisten von einer "staatlichen Lüge".

Bei einem knappen Ausgang ist mit möglichen Abstimmungsbeschwerden von Komitees aus beiden Lagern zu rechnen. Die jurassische Kantonsregierung hatte im Vorfeld der Abstimmung versprochen, Verwaltungsstellen in Moutier anzusiedeln und das dortige Spital zu erhalten. Um gegenseitige Provokationen zu vermeiden, versammeln sich die beiden Lager am Sonntag auch örtlich getrennt. Gehofft wird deshalb, wohl vergebens, auf ein klares Resultat.

Es sei nicht geplant, dass die Sangliers sich noch am Sonntag träfen, sagte Tobler weiter.

Für die allfälligen Kantonswechsel leiten die beiden Kantonsregierungen ein gemeinsames Prozedere ein. Zuerst muss aber noch das Stimmvolk beider Kantone den Wechsel von Moutier bestätigen. Nicht nötig ist das Plazet des Schweizer Volks. Die Stimmberechtigten von Moutier haben sich mit 140 Stimmen mehr dafür ausgesprochen. Definitiv beim Kanton Bern bleiben wollen die Gemeinden Grandval und Crémines. Der Urnengang setzte einen Schlusspunkt hinter einen langen Prozess zur Lösung des Jura-Konflikts.

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