2016 neuer Höchststand bei Flucht und Vertreibung

Einstellen Kommentar Drucken

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind unter den 65,6 Millionen Menschen, die Ende 2016 auf der Flucht waren, 22,5 Millionen Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, weitere 40,3 Millionen Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben wurden und 2,8 Millionen Asylsuchende. Mit anderen Worten: Im Schnitt ist einer von 113 Menschen weltweit von Flucht und Vertreibung betroffen (siehe Grafik unten).

Die Zahl der Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Verfolgung hat laut den UN einen neuen Höchststand erreicht.

Die Gesamtzahl der Flüchtenden stieg im vergangenen Jahr erneut und ist damit größer als die Bevölkerung Großbritanniens und fast ebenso groß wie die von Thailand.

Sorge bereitet dem Flüchtlingshilfswerk die nach wie vor große Zahl von minderjährigen Flüchtlingen, die allein unterwegs sind. Von dieser Gesamtzahl fallen 17,2 Millionen in den Verantwortungsbereich von UNHCR, die Übrigen sind palästinensische Flüchtlinge, die bei unserer Schwesterorganisation UNRWA registriert sind. Syrien bleibt weltweit das größte Herkunftsland von Flüchtlingen (5,5 Millionen).

Genf Mehr als 60 Millionen Menschen verloren 2016 ihre Heimat. Syrien, Irak und weiterhin Kolumbien stehen an der Spitze jener Staaten, die von Binnenflucht und -vertreibung betroffen sind. Dieses Problem hat jedoch eine globale Dimension und ist verantwortlich für fast zwei Drittel der Gesamtzahl von 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht.

Bei der dritten Gruppe handelt es sich um Asylbewerber, also Menschen, die ihr Heimatland verlassen haben und anderswo internationalen Schutz als Flüchtlinge suchen.

"Welchen Maßstab man auch nimmt, diese Zahl ist nicht zu akzeptieren". Und aus ihr spricht lauter als jemals zuvor die Notwendigkeit zur Solidarität und zu gemeinsamen Zielen bei der Prävention und Lösung von Krisen.

Angesicht der Pläne der EU, die Mittelmeerrouten stärker zu überwachen, sagte UN-Flüchtlingskommissar Grandi, dass es nicht genug sei, Flüchtlings- und Migrationsbewegungen zu kontrollieren. "Wir müssen zugunsten dieser Menschen besser werden". Statistisch gesehen bedeutet dies: 2016 musste alle drei Sekunden ein Mensch fliehen - eine geringere Zeitspanne, als es braucht, diesen Satz zu lesen. Die UNO-Flüchtlingshilfe ist der deutsche Partner des UNHCR und hat im letzten Jahr 19,3 Millionen Euro für die weltweiten Programme der UN-Organisation zur Verfügung. 84 Prozent hätten in Ländern mit niedrigem beziehungsweise mittlerem Einkommen Schutz gesucht. Deren Fehlen kann Instabilität herbeiführen und hat Konsequenzen für lebenssichernde humanitäre Hilfe oder löst Weiterwanderung aus. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge im Ausland stammt aus Syrien, Afghanistan und dem Südsudan. Der Bürgerkrieg im Südsudan sorgt für die am schnellsten wachsende Flüchtlingsgruppe: Ende des Jahres 2016 waren es 739.900 anerkannte Flüchtlinge, aktuell sind es 1,87 Millionen. Sie müssen vor allem aufgrund ihrer Vulnerabilität besonders leiden.

UNHCR schätzt zudem, dass Ende 2016 zumindest zehn Millionen Menschen keine Nationalität besaßen oder dem Risiko der Staatenlosigkeit ausgesetzt waren.

Comments