Antisemitismus-Doku läuft nun doch am Mittwoch im Ersten

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Damit geht die Bild-Zeitung ein juristisches Risiko ein.

Schon in der letzten Woche war Arte verstärkt unter Druck geraten, weil es die Ausstrahlung der Dokumentation verweigert hat.

24 Stunden lang war der Film auf Bild.de zu sehen. Vertragsgemäß lieferten die Autoren ihr Werk im Dezember 2016 bei der zuständigen WDR-Redakteurin Sabine Rollberg ab, die den Film bis heute energisch verteidigt. Der Grund: Er würde stark vom beauftragten Konzept abweichen. "Kein Rundfunksender und keine Zeitung würde eine derartige, eigenständig vorgenommene Abweichung vom vereinbarten Konzept akzeptieren".

Tatsächlich zeigt die TV-Doku von Schroeder und Sophie Hafner zwar den Judenhass in Europa und im Nahen Osten, verheddert sich dabei allerdings in historischen Abschweifungen und Ungenauigkeiten.

Hat nicht in den letzten Jahren der islamistsiche und dschihaddistische Antisemitismus massiv zugenommen? "Der Hass auf Juden in Europa" in eigener Verantwortung online gestellt hat. Zudem dokumentiert der Film unsägliche antisemitische Ausfälle von Politikern, Journalisten, Geistlichen und Künstlern. Doch wie für den Autor des Films liegen auch für den Historiker Götz Aly die wirklichen Gründe für die Ablehnung auf der Hand: Für Arte sei der Film "antimuslimisch und proisraelisch "und "schütte Öl ins Feuer", ist Aly überzeugt". Zuvor hatte sich ARTE geweigert, den Film auszustrahlen. Ähnlich argumentierte Charlotte Knoblauch, die Arte in einem Brief schrieb, dass sich der Sender auf einem "gefährlichen Irrweg" befinde. Antisemitismus wird authentisch in all seinen neuen und alten Erscheinungsformen und Ausprägungen als das abgebildet, was er ist: "Eine reale Erfahrung im Alltag jüdischer Menschen und eine wachsende Bedrohung für die jüdische Zukunft auch und gerade in Europa". Aly hatte dem Arte-Programmdirektor Zensur vorgeworfen. Nun will die ARD den Film doch zeigen - trotz journalistischer Mängel. Es hätte von Anfang an "große Widerstände" gegen das Filmprojekt gegeben. Auch der Islamismus-Experte Ahmad Mansour hatte die Relevanz des Projekts hervorgehoben. Die Seite will ihren Lesern den Film bis Mitternacht zeigen.

► deutsche und französische Hetzer vor einem "israelischen Großreich" und der "Israelisierung" Deutschlands warnen. "Wir haben viele Stimmen". Das ist mutig, konsequent und würdig. Und ist es nicht für Arte als europäischer Sender ein gutes Argument, auch die Judenfeindschaft der extremen Rechten in verschiedenen europäischen Ländern unter die Lupe zu nehmen.

Arte hat die Initiative des Axel-Springer-Konzerns, zu dem die besagte Nachrichtenplattform gehört, am Dienstag zwar als befremdlich bezeichnet, hegt aber offenbar weder Groll noch Einwände, "dass die Öffentlichkeit sich ein eigenes Urteil über den Film bilden kann".

Applaus, Applaus, Applaus! Und wenn arte demnächst einen Film über Rinderwahn (BSE) in Auftrag gibt, sollten die Produzenten darauf achten, dass nur Allgäuer Bauern und Kühe zu Wort kommen, aber keine aus England, wo die Seuche ausgebrochen ist. Fokus sollte entsprechend der editorialen Linie von Arte als europäischer Sender aber nicht der Nahen Osten, sondern Europa sein.

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