Bericht: Macron-Lager bei französischer Parlamentswahl vorne

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Im französischen Volksmund nennt man die Parlamentswahl auch "la troisième tour", die dritte Runde der Präsidentenwahl.

Trotz der fehlenden Popularität seines Programms wird Macron wohl eine Mehrheit gewinnen, weil Mélenchon und andere Verbündete der PS, wie die Neue Antikapitalistische Partei (Nouveau Parti Anticapitaliste, NPA) politisch verantwortungslos handeln.

Umfragen zufolge könnte seine Partei mit rund 30 Prozent der Stimmen rechnen, während die regierenden Sozialisten massive Verluste einfahren werden.

Zunächst kommt es an diesem Sonntag für die Parteien darauf an, in der ersten Runde mindestens 12,5 Prozent der Stimmen zu erhalten, um sich für den zweiten Wahlgang am 18. Juni zu qualifizieren; da es dann auch die Unterstützung ausgeschiedener Parteien braucht, ist der Front National benachteiligt; ihm fehlt es an Alliierten. In den meisten Wahlkreisen dürfte die Entscheidung erst in einer Stichwahl in einer Woche fallen. Die Auszählung der Stimmen dürfte sich durch die ganze Nacht ziehen. Damit steht erst am Abend des 18. Juni das endgültige Ergebnis der Parlamentswahlen fest. Das Mehrheitswahlrecht macht es kleinen Parteien ohne gewichtige Bündnispartner schwer, Sitze zu erobern. "Dieses System mag auf manche undemokratisch wirken, aber es garantiert Stabilität", meint der Politikwissenschaftler. Vor fünf Jahren etwa wurden nur 36 von 577 Sitzen bereits in der ersten Runde vergeben.

In letzten Umfragen hatte die Partei des sozialliberalen Staatschefs klar vorn gelegen.

Es gibt derzeit keine verbindende politische Idee in der Partei. "Wir werden viele Abgeordnete haben, fast zu viele", sagte der Präsident demzufolge.

Prognosen zufolge kann Macrons Zentrumspartei "La République en Marche!". Denn Macrons erst vor gut einem Jahr gegründete Partei tritt zum ersten Mal überhaupt bei einer Wahl an. Die alteingesessenen Politiker seien irgendwie zynisch, findet er.

In Frankreich werden offizielle Untersuchungen erst eingeleitet, wenn Vorermittlungen ausreichend Verdachtsmomente ergeben.

Laut Meinungsforschern haben sie nun in der zweiten Runde am kommenden Wochenende die Aussicht auf mindestens 390 der 577 Sitze in der Nationalversammlung. Das wäre der größte Sieg bei einer Parlamentswahl seit 1968 unter Charles de Gaulle. Um sein Wahlversprechen einer politischen Erneuerung einzuhalten, nominierte Macron zur Hälfte Kandidaten ohne politische Vorerfahrung. Steht er nicht für ein offenes, für ein europafreundliches und in seiner Wirtschaftspolitik am Ende sozialdemokratisches Frankreich? Das hat nicht zuletzt mit seinem beherzten Auftreten auf der internationalen Polit-Bühne zu tun.

Der Macron-Tsunami wird viele Politikneulinge in die Nationalversammlung bringen. Die Standpauke schloss Macron mit einer ironischen Anspielung auf Trumps Wahlkampf-Slogan: "Let's make the planet great again". Um seine Reformvorhaben umzusetzen ist für Macron diese Mehrheit entscheidend. "Wir können reformieren, aber wir müssen dabei nicht unser Land zerlegen". Für die Sozialisten von Ex-Präsident Francois Hollande geht es nach dem Desaster bei der Präsidentenwahl um die Existenz.

Sei es der virile Händedruck, den er mit US-Präsident Donald Trump in Brüssel tauschte, sein formvollendeter Auftritt auf dem G7-Gipfel im sizilianischen Taormina oder die Mischung aus charmanter Verbindlichkeit und inhaltlicher Härte, mit der er den ausgebufften Kremlfürsten in Versailles überraschte - die ersten Momentaufnahmen des "französischen Kennedys" auf internationalem Parkett haben seinen Landsleuten imponiert.

Doch soweit werde es nicht kommen, ist sich Nicolas Tenzer sicher.

Dies gab das französische Aussenministerium am Dienstag bekannt.

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