"Bild": Kein nationaler Staatsakt für Helmut Kohl geplant

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Helmut Kohl, der Mann der deutschen Einheit, der Verankerung des vereinten Deutschlands in Europa und des Euro, der die europäische Einheit unumkehrbar machen soll, vermisste bei vielen der heutigen europäischen Spitzenpolitiker europäischen Idealismus. Der Autor mehrerer Bücher, darunter Memoiren, der einst als Helmut II. verspottet wurde, weil er so viel glanzloser war als Helmut I., also Helmut Schmidt, bekommt auch in den Geschichtsbüchern seine Rache: Es war Kohl, nicht Schmidt, der bereitstand, als der Zug zur deutschen Wiedervereinigung vorbeirollte.

"Ich bin erschüttert und tief traurig über den Tod von Helmut Kohl".

"Süddeutsche Zeitung": "Dass unter Kohls Regierung aus BRD und DDR das Deutschland entstand, in dem wir heute leben, war sein größtes Verdienst".

Dem Tagesspiegel sagte sie: "Helmut Kohl sollte durch eine Gedenkstiftung, wie es sie für andere herausragende Politiker gibt, geehrt werden". Maike Kohl-Richter war seit 2008 mit Helmut Kohl verheiratet. Kohl war am Freitag im Alter von 87 Jahren gestorben.

Der einstige sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow würdigte Kohl als herrausragenden Politiker, der deutliche Spuren in der Weltgeschichte hinterlasse. Er war nicht nur der bisher am längsten amtierende Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch ein großer Europäer. "Das ist richtig und gerecht", sagte Gorbatschow am Freitagabend in Moskau. Seine Amtsnachfolgerin Angela Merkel bezeichnete Kohl als "Glücksfall für uns Deutsche". Helmut Kohl war vorher schwer gestürzt und hatte ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten.

Nach dem Staatsakt solle Kohls Leichnam mit dem Schiff über den Rhein in seine rheinland-pfälzische Heimat nach Speyer gebracht werden, wo eine öffentlich zugängliche Totenmesse im Dom geplant sei, berichtet die "Bild am Sonntag" weiter. Von Sonntag an liegt auch im Bundeskanzleramt ein Kondolenzbuch aus, ebenso wie in der Mainzer Staatskanzlei.

Die CDU hat ein Kondolenzbuch in der Parteizentrale im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin eingerichtet und auf ihrer Internetseite freigeschaltet.

Der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz würdigte Kohl als europäischen Visionär. Das sei Kohls ausdrücklicher Wunsch gewesen, schreibt das Blatt.

Für Walter Kohl war der Vater Helmut nicht der Held der Wiedervereinigung, nicht der Wegbereiter der Europäischen Union, sondern eine Enttäuschung - einer, der nicht da war, der sich nicht kümmerte, der den Kontakt abbrach.

US-Präsident Donald Trump beschrieb Kohl als Freund und Verbündeten der USA.

"Helmut Kohl war die Verkörperung eines geeinten Deutschland in einem geeinten Europa". Seine außergewöhnliche Gabe, persönliche Freundschaften zu Staatschefs in aller Welt aufzubauen, schuf Vertrauen in die Verlässlichkeit deutscher Politik. "Sein Vermächtnis wird weiterleben".

"La Repubblica" (Italien): "Vielleicht Helmut Kohl der glücklichste Kanzler Deutschlands". "Dies zu leugnen ist nicht nur ungerecht, es ist unmöglich", sagte Renzi. Angesichts der in den letzten Monaten an verschiedenen Stellen geäußerten Zweifel an der europäischen Idee wäre sein Wort umso wichtiger gewesen.

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