Frankreich steuert auf Negativrekord bei Wahlbeteiligung zu

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Frankreich hat bei der zweiten Runde der Parlamentswahl auf einen neuen Negativrekord bei der Wahlbeteiligung zugesteuert. Im zweiten Wahlgang gaben bis 17.00 Uhr nur 35,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen ab, wie das Innenministerium bekanntgab. Das sind noch weniger als im ersten Wahlgang vor einer Woche, als im gleichen Zeitraum 40,8 Prozent der Franzosen ins Wahllokal gekommen waren.

Paris - Das Lager des französischen Präsidenten Emmanuel Macron hat eine absolute Mehrheit in der Nationalversammlung gewonnen, könnte aber schwächer abschneiden als erwartet. Damals lag die Wahlbeteiligung am Ende des Tages bei 48,7 Prozent - das ist der bislang niedrigste Wert bei einer Parlamentswahl seit Gründung der Fünften Republik 1958. Die Wahllokale öffneten am Sonntagmorgen. Laut ersten Hochrechnungen kamen Macrons Mitte-Partei und ihre Verbündeten auf 355 bis 425 der 577 Sitze.

Umfragen sagen einen klaren Sieg der Partei "La République en Marche" von Präsident Macron voraus.

Der sozialliberale Staatschef sicherte sich in der entscheidenden Abstimmungsrunde am Sonntag eine komfortable Machtbasis für seine Reformen, mit denen er Frankreich international wieder konkurrenzfähig machen will. Zwei Institute halten sogar bis zu 470 Sitze für möglich. Damit hätte Macron ausreichend Rückhalt für sein Reformprogramm - noch in diesem Monat will die Regierung eine umstrittene Lockerung des Arbeitsrechts auf den Weg bringen.

Die traditionellen Regierungsparteien der bürgerlichen Rechten und der Sozialisten müssen mit einer weiteren herben Niederlage rechnen.

Die Wahllokale sind noch bis 18.00 Uhr geöffnet, in großen Städten zwei Stunden länger.

Polizisten sollen die Abstimmung schützen.

Bei der Parlamentswahl wird in 577 Wahlkreisen jeweils ein Abgeordneter gewählt.

Bereits im ersten Wahlgang am vergangenen Sonntag war Macrons Bündnis mit 32,3 Prozent klar vorne gelandet.

Macron war vor sechs Wochen als jüngster französischer Präsident aller Zeiten in den Élyséepalast gewählt worden. Allerdings gibt es in den Reihen der Republikaner verschiedene Lager: Manche stehen einer Zusammenarbeit mit Macron offen gegenüber, während andere auf eine klare Abgrenzung setzen. Die Sozialisten von Macrons Vorgänger François Hollande, die in den vergangen fünf Jahren den Ton in der Nationalversammlung angegeben hatten, stürzten ab. Dazu sind 15 Abgeordnete nötig. Die Front National der Rechtspopulistin Marine Le Pen dürfte weiterhin keine große Rolle im Parlament spielen - allerdings hat Le Pen selbst Chancen, in ihrem Wahlkreis in Nordfrankreich erstmals in die Nationalversammlung gewählt zu werden.

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