Gesundheit: Studie: OPs wegen Rückenschmerzen im Südwesten seltener

Einstellen Kommentar Drucken

Wer in Hessen an Rückenschmerzen leidet, wird überdurchschnittlich häufig operiert. Die Ergebnisse beruhen auf einem neuen Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann Stiftung, der die Häufigkeit von drei ausgewählten Rückenoperationen in allen 402 Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands untersucht hat. Ob jemand auf dem OP-Tisch oder bei der Physiotherapie landet, hängt dabei entscheidend vom Wohnort ab. Auch die Zahl der Rücken-OPs ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Außerdem werde in manchen Regionen deutlich häufiger operiert als in anderen. Das sind 13-mal so viele wie etwa in Frankfurt an der Oder.

Im Jahr 2015 gab es laut der Studie insgesamt 611000 Krankenhausaufenthalte wegen Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückens. Im Kreis Ludwigsburg und in Heidelberg sank sie um mehr als 30 Prozent. Allein auf den demografischen Wandel ist das nicht zurückzuführen. Die Zahl aller stationären Behandlungen stieg im gleichen Zeitraum dagegen nur um zwölf Prozent. Auch die Zahl der Operationen nahm zu: 2015 gab es bundesweit 772 000 Eingriffe wegen Rückenbeschwerden - 2007 waren es 452 000 (+ 71 Prozent). 2007 waren es noch 452000.

Zudem zeigen die Ergebnisse in den "OP-Hochburgen", dass sich die Situation in den letzten Jahren zugespitzt hat. Experten fordern mehr Transparenz in der Gesundheitsversorgung Die Autoren der Studie sehen mehrere Gründe für die regionalen Unterschiede bei Rückenoperationen. Laut den Experten der Bertelsmann-Stiftung wäre ein Klinikaufenthalt häufig vermeidbar. Die Mehrzahl dieser Patienten erhält im Krankenhaus keine spezifische Schmerztherapie oder operative Eingriffe, sondern überwiegend lediglich diagnostische Leistungen, beispielsweise ein MRT. "Das könnte meistens auch ambulant erfolgen", heißt es in der Studie.

Die regionalen Unterschiede lassen sich den Forschern zufolge nur zu einem kleinen Teil auf objektive Faktoren wie die Zahl der Orthopäden vor Ort zurückführen. Sie seien auch nicht davon abhängig, wie häufig die Einwohner einer Region Rückenprobleme haben. "Lokale Versorgungsmuster verstärken sich, wenn klare medizinische Leitlinien fehlen", sagt Eckhard Volbracht, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung. "Die Entscheidung sollte aber unabhängig vom Wohnort, finanziellen Interessen und individuellen Vorlieben der ortsansässigen Ärzte fallen", betonte er.

Comments