Große Unterschiede je nach Region

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Große regionale Abweichungen sind jedoch ein Indiz dafür, dass sich die Organisation der Versorgung und die Vorgehensweise bei Diagnostik und Therapie von Rückenbeschwerden sehr stark unterscheiden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann Stiftung. Ob jemand auf dem OP-Tisch oder bei der Physiotherapie landet, hängt dabei entscheidend vom Wohnort ab.

Rückenschmerzen sind inzwischen ein echtes Volksleiden. Laut einer am Montag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung ist die Zahl der Operationen am Rücken in den vergangenen Jahren stark angestiegen.

Wegen Rückenschmerzen werden Patienten immer häufiger im Krankenhaus behandelt.

2015 zählten die Forscher demnach 611 000 Krankenhausaufenthalte wegen Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückens. Die Stiftung hat die Häufigkeit der Eingriffe und die Zahl der der Krankenhausaufenthalte in den verschiedenen Bundesländern verglichen. Mancherorts gibt es sogar 13 Mal so viele Eingriffe wie in anderen Regionen, wie eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Als Datengrundlage dafür dienten unter anderem die Fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik sowie weitere Auswertungen des Statistischen Bundesamts.

Auch ob ein Patient mit seinen Rückenbeschwerden ins Krankenhaus eingewiesen wird, ist regional sehr unterschiedlich. Das sei überflüssig, meinen die Autoren der Studie. "Das könnte meistens auch ambulant erfolgen", heißt es in der Studie.

Regional gibt es deutliche Unterschiede: So lag die Wahrscheinlichkeit, mit Rückenschmerzen ins Krankenhaus zu kommen, laut der Forscher im Saarland deutlich höher als in Baden-Württemberg. Die Zahl der Klinikaufenthalte wegen Kreuzschmerzen steigt - es wird auch öfter operiert. Der Freistaat liegt etwa bei der Zahl der Operationen, bei denen knöcherne Anbauten an der Wirbelsäule entfernt werden, und bei der Entfernung von Bandscheibengewebe auf Platz 3.

Besonders gravierende Differenzen stellte die Studie bei aufwendigen Versteifungsoperationen fest. Beispielsweise finden bei Patienten im Landkreis Fulda 13-mal so viele Eingriffe statt wie in Frankfurt/Oder. In den meisten sächsischen Kreisen und in Bremen kommen solche OPs deutlich seltener vor. Doch auch bei Dekompressionsoperationen am Wirbelkanal wurden Unterschiede bis zum 13-fachen ausgemacht, bei Bandscheibenoperationen immerhin bis zum Sechsfachen.

Zudem zeigen die Ergebnisse in den "OP-Hochburgen", dass sich die Situation in den letzten Jahren zugespitzt hat.

Die Wissenschaftler hinter der Bertelsmann-Studie erklären jedoch, dass die Ursachen für diese regionalen Unterschiede hauptsächlich auf die Praxis der Ärzte zurückzuführen sei. Eckhardt Volbracht, Gesundheitsexperte bei der Bertelsmann Stiftung, glaubt jedoch, dass das Fehlen von klaren, einheitlichen medizinischen Leitlinien eine große Rolle dabei spielt. Dabei gibt es je nach Region große Unterschiede, ob die Ärzte eher operieren oder eine andere Behandlungsmethode wählen. "Die Entscheidung für einen operativen Eingriff darf jedoch nicht aufgrund von individuellen Vorlieben der ortsansässigen Ärzte fallen", warnte Volbracht. Vielmehr sollten Ärzte verständlich über Nutzen und Risiken von Behandlungen informieren und unabhängig von finanziellen Interessen gemeinsam mit dem Patienten über das weitere Vorgehen entscheiden. Noch größer war die Zunahme an Operationen.

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