IW-Studie: Viel zu viele Häuser auf dem Land

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Köln - In ländlichen Regionen in Deutschland wird nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) viel zu viel gebaut - jedenfalls deutlich mehr, als eigentlich sinnvoll wäre, gemessen an der schrumpfenden Bevölkerung. Da die Bevölkerung auf dem Land eher schrumpft, drohe die Gefahr, dass in Zukunft Dorfzentren veröden und Gebäude zunehmend leer stehen und verfallen. Ein Extrembeispiel: Im Landkreis Waldeck-Frankenberg nördlich von Marburg wären nach IW-Einschätzung lediglich sieben neue Wohnungen notwendig gewesen. Gebaut wurden jedoch fast 200. In Berlin etwa sind laut Studie in den vergangenen Jahren nur 40 Prozent der eigentlich benötigten Wohnungen gebaut worden, in München 43, in Hamburg 59 Prozent.

Die Entwicklung sei jedoch keineswegs auf Norddeutschland begrenzt: In weiten Teilen des wirtschaftsstarken Bayern wird laut IW ebenso zu viel gebaut wie im Schwarzwald, in der Eifel oder in Nordhessen. In den Städten wird der Wohnungsmangel dagegen immer größer. Der Prozess kann zur Zerstörung und Aufteilung von Landschaften führen und etwa Lebensräume von Wildtieren bedrohen. "Wir stellen mit Schrecken fest, dass in ländlichen Regionen immer noch sehr viele Einfamilienhäuser gebaut werden", sagte IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer.

"Wir haben durch die neue Bautätigkeit eine verstärkte Zersiedelung".

Eine weitere Folge seien sinkende Preise. Da die Bevölkerung schwinde, werde die Nachfrage langfristig wegfallen. Das wirke sich natürlich auf die Preisentwicklung aus.

Das Institut der deutschen Wirtschaft empfiehlt den Kommunen, entschieden gegen Neubau vorzugehen. Trotz des Wettbewerbs zwischen den Gemeinden sollten Bürgermeister keine neuen Bauflächen ausweisen und Neubau an einen Abbau von Leerstand koppeln, "um den Bestand attraktiver zu machen".

Besonders drastisch fiel die Fehlentwicklung im Kreis Nordsachsen aus: Obwohl keine Wohnungen benötigt wurden, stieg der Bestand um 209 an.

"In der Summe hätten wir eigentlich genug Wohnraum in Deutschland - wenn er an der richtigen Stelle wäre", fasst Stephan Kippes zusammen.

Voigtländer vom IW machte die Niedrigzinsen der vergangenen Jahre für den Trend verantwortlich. Die machten den Immobilienkauf vergleichsweise günstig. "Viele Familien bauen lieber etwas Neues", sagte Voigtländer. "Das ist verständlich, aber man müsste gleichzeitig leerstehende alte Häuser abreißen".

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