Kohl könnte als erster Politiker mit europäischem Staatsakt geehrt werden

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Der Altkanzler war am Freitag im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben. Die sächsische CDU erklärte, ohne Kohl sei die Deutsche Einheit nicht möglich gewesen. Entscheidungen seien noch nicht gefallen, hieß es am Samstag aus der Mainzer Staatskanzlei und dem Bundespräsidialamt in Berlin. Man werde noch lange bewundern, wie entschlossen Kohl und seine Mitarbeiter die Gunst der Stunde zur Vereinigung genutzt hätten, sagte die CDU-Vorsitzende bei einem Besuch in Rom.

Der einstige sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow würdigte Kohl als herrausragenden Politiker, der deutliche Spuren in der Weltgeschichte hinterlasse.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Kohl am Freitag als "großen Europäer" und als "Glücksfall für uns Deutsche" bezeichnet.

Der Staatsakt zu Ehren des Gestorbenen wird voraussichtlich in seiner Heimat Rheinland-Pfalz stattfinden. Kohls "Geistesgegenwart, seinem politischen Mut und seiner Führungsstärke" sei die Deutsche Einheit zu verdanken.

"Sie sehen einen Menschen, der sehr traurig ist", sagte Kohl.

Zahlreiche Politiker kondolierten. SPD-Chef Martin Schulz schrieb an die Witwe Maike Kohl-Richter: "Über alle Parteigrenzen und unterschiedliche politischen Auffassungen hinweg zollt die Sozialdemokratie Helmut Kohl Respekt und Anerkennung für sein politisches Lebenswerk". Kohl sei nicht nur der Vater der deutschen Wiedervereinigung gewesen, sondern auch ein Verfechter für Europa und das transatlantische Verhältnis. Kohls Vision von einem europäischen Deutschland sei "ein Vermächtnis an die deutsche Nation und an ganz Europa". Die Welt habe von seinem Weitblick und seinen Anstrengungen profitiert. Der Vorsitzende der hessischen Grünen, Kai Klose, würdige Kohl als einen "Vater der Einheit, ein Europäer aus tiefer Überzeugung". Der Vorschlag eines europäischen Staatsaktes stammt von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Das mache den Verlust umso größer - politisch wie menschlich. Er wusste: Wenn Deutschland von seinen Nachbarn - gerade von den kleineren europäischen Staaten - als übermächtig empfunden werden würde, kämen weder Deutschland noch Europa voran. "Ein großer Europäer ist von uns gegangen".

Das DFB-Team wird beim Spiel gegen Australien im Rahmen des Confed Cups in Gedenken an Kohl mit Trauerflor spielen - einen entsprechenden Antrag des Deutschen Fußball-Bundes genehmigte die FIFA.

Die Verdienste von Kohl um das jüdische Leben in Deutschland hob Charlotte Knobloch hervor, ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) im Deutschen Bundestag in Bonn am 28. November 1989.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) lobte Kohls Einsatz für die Aussöhnung und das Zusammenwachsen in Europa, vor allem seine "segensreiche Bereitschaft zur Versöhnung" mit Frankreich.

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