Türkisch-islamische Gemeinde für Anti-Terror Demo

Einstellen Kommentar Drucken

Köln. "Nicht mit uns - Muslime und Freunde gegen Gewalt und Terror": Das Motto hat einige tausend Menschen im Ramadan nach Köln gelockt. Eine halbe Stunde vor dem Beginn der Demonstration haben sich knapp 50 Menschen auf dem großen Platz versammelt.

Es ging den Initiatorinnen der Kölner-Demo in erster Linie darum, eine klare Haltung gegen den Terror zu zeigen, auch im Hinblick auf die Stimmung in der breiten Bevölkerung nach den vielen Bluttaten der IS-Terroristen. "Deshalb ist es gut, wenn wir Muslime klarstellen, dass wir selbstverständlich für Frieden sind - auch wenn es eigentlich schon etwas traurig ist, dass wir uns dauernd rechtfertigen müssen". Die muslimische Gemeinschaft scheint sich zu öffnen - ganz anders dagegen der türkisch-islamische Moscheeverband DITIB. Diese stigmatisierten die Muslime und verengten den internationalen Terrorismus auf sie. Kaddor sei eine "mutige Frau", sagte Klocke. Zum Beispiel der designierte nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet oder SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Unter den mehr als 300 Einzelpersonen, die den Aufruf unterzeichnet haben, sind Politiker, Künstler und Wissenschaftler. Ditib schickt Imame aus der Türkei nach Deutschland, und sie predigen hier den Islam, wie ihr Staat ihn interpretiert. Der Verband, der von der türkischen Religionsbehörde Diyanet gesteuert wird, hatte wenige Tage vor der Demonstration seine Teilnahme abgesagt. Hinzu kommt, dass die größte Mehrheit der Opfer des islamistischen Terrorismus Muslime sind, vor allem in den islamisch geprägten Ländern.

Distanzierung ist grundsätzlich problematisch, denn sie impliziert eine Kollektiv-Nähe aller Muslime zu diesen irregeleiteten Terroristen.

Als Regierungssprecher Steffen Seibert in der Bundespressekonferenz darauf angesprochen wurde, wie die Kanzlerin die Absage bewerte, äußerte er sich zurückhaltend. Viel mehr als 1000 Menschen beteiligten sich nicht. Weniger als erwartet, denn eigentlich hatten die Veranstalter mit 10.000 Teilnehmern gerechnet.

"Unser Glaube ist friedlich", machte die Autorin und Moderatorin Jacqueline Bakir-Brader direkt zu Beginn der Demo deutlich.

Nicht im Ramadan demonstrieren?

Auch Mitinitiatorin Kaddor hatte sich verwundert gezeigt. Die Kirchenbeauftragte der SPD-Fraktion, Kerstin Griese findet es schade, dass Ditib die Chance nicht nutze, die Demonstration zu unterstützten. Muslime würden im Ramadan auch arbeiten und Sport treiben.

Der Zentralrat der Muslime hatte sich im Gegensatz zu Ditib ausdrücklich für die Demonstration ausgesprochen. Islamhasser dürften die Kölner Demonstration in Zukunft ausschlachten.

Mitorganisator Tarek Mohamad zeigte sich angesichts der Teilnehmerzahl ebenfalls enttäuscht. Diese Hoffnung bestätigte sich nicht. In der Erklärung der Türkisch-Islamischen Union heißt es: "Das ist der falsche Weg und das falsche Zeichen, denn diese Form der Schuldzuweisung spaltet die Gesellschaft".

Lamya Kaddor ist mit ihrem gut gemeinten Aufruf gescheitert.

Comments