Altersarmut trifft 2036 laut Studie jeden fünften Neurentner

Einstellen Kommentar Drucken

Immer mehr befristete Jobs, niedrige Löhne - laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung wird die Zahl der armen Alten deutlich wachsen. Insgesamt steigt die Armutsrisikoquote in der Altersgruppe der dann 67-Jährigen in den kommenden Jahren von heute 16 auf 20 Prozent an. Am stärksten davon betroffen sind alleinstehende Frauen, Menschen ohne Berufsausbildung und Langzeitarbeitslose. So steigt der Anteil der alleinstehenden Frauen, die von staatlichen Leistungen abhängig werden, weil ihr Einkommen nicht fürs Leben reicht, von heute rund 16 auf knapp 28 Prozent im Jahr 2036 an.

Die Analyse bis zum Jahr 2036 liefert erstmals auch Erkenntnisse über den Verlauf der Altersarmut der geburtenstarken Jahrgänge, der sogenannten Babyboomer, die ab 2022 in Rente gehen werden. Die Berechnungen erstellen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Im Jahr 2015 waren es 16 Prozent der Rentner. 2015 waren dies 5,4 Prozent.

Als Gründe für Altersarmut nennt die Studie das allgemein sinkende Rentenniveau, Brüche in der Erwerbsbiografie, einen späten Arbeitseinstieg und prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Viele der aktuell diskutieren Reformvorschläge könnten den Trend steigender Altersarmut nicht umkehren, erklärten die Autoren.

Heutzutage gelten Rentner als armutsgefährdet, wenn ihr Netto-Einkommen unter 958Euro liegt. Das sind die Ergebnisse einer Untersuchung zur Altersarmut, die auf Grundlage repräsentativer Haushaltsdaten die Alterseinkommen aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Altersvorsorge von 2015 bis 2036 prognostiziert. "Wir brauchen weitere Reformen für den Ruhestand: Wenn die Babyboomer-Generation in Rente geht, könnte es zu einem bösen Erwachen kommen". Fast jede dritte alleinstehende Neurentnerin könnte zukünftig auf Grundsicherung angewiesen sein.

Keine Lösung der Probleme im Niedriglohnsektor sieht der Arbeitsmarkt-Experte der Bertelsmann-Stiftung, Christof Schiller, in den aktuellen Bestrebungen für eine Stabilisierung des Rentenniveaus. Bei Langzeitarbeitslosen sei ein Anstieg von 19 auf 22 Prozent zu erwarten, bei Menschen ohne Berufsausbildung von zehn auf 14 Prozent. Das geringste Risiko zur Altersarmut haben Personen, die mindestens 35 Jahre in Vollzeit erwerbstätig waren (Grundsiche-rungsquote 2036: 1,8 Prozent). So könnte eine bessere Arbeitsmarktintegration der Risikogruppen, eine bessere Absicherung neuer Erwerbsformen und flexible und sichere Übergänge im Arbeitsleben Altersarmut bekämpfen. Gleichzeitig muss das Alterssicherungssystem zukunftsfester und weniger krisenanfäl-lig gestaltet werden – sowohl mit Blick auf den Wandel der Arbeitswelt als auch auf die aktuelle Entwicklung an den Kapitalmärkten.

Was tun, wenn das Gehalt schon niedrig ist? . Darin fordert die Politik die Menschen auf, mehr privat für das Alter vorzusorgen. Die Studie erfasst die Geburtsjahrgänge zwischen 1947 bis 1969.

Comments