Seehofer: SPD-Kanzlerkandidat Schulz hat früh die Nerven verloren

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Doch dann legte er einen furiosen Wahlkampf hin und führte die SPD bei der Wahl im September zu 34,2 Prozent, nur einen Punkt hinter die Union - ein Wert, von dem Martin Schulz nach dem derzeitigen Stand der Dinge nur träumen kann.

Martin Schulz hat sich beim SPD-Parteitag in Dortmund kämpferisch gezeigt: Als Einheizer trat Altkanzler Gerhard Schröder auf - der hat schon mal schlechten Umfragewerten getrotzt.

80 Minuten redet Martin Schulz, 6000 Delegierte, so die offizielle Zahl, unterbrechen den Kanzlerkandidaten der SPD immer wieder mit frenetischem Applaus in der Dortmunder Westfalenhalle. Zuletzt hatten sich die Werte aber wieder verschlechtert. Als Kanzlerkandidat Schulz nominiert worden sei, habe es bei vielen die Hoffnung gegeben, dass die SPD wieder eine sozialdemokratische Partei werde, sagte sie der "Welt" (Montag).

Schulz hatte der CDU vorgeworfen, sich vor inhaltlichen Aussagen zu drücken und damit eine geringere Wahlbeteiligung in Kauf zu nehmen. Der CDU - allen voran der Bundeskanzlerin - wirft er Missachtung der Demokratie vor. Einer neuen Aufrüstungsspirale erteilte der SPD-Chef ebenso eine klare Absage wie einer Erhöhung des Wehretats auf mittelfristig zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wie es die USA fordern. Die potenziellen Koalitionspartner Linke, Grüne und FDP verschonte der Kanzlerkandidat dagegen. Etwas beleidigt ist der SPD-Chef, weil er und seine Konzepte von Merkel bislang weitgehend ignoriert worden sind.

Außerdem griff Schulz die AfD scharf an und bezeichnete sie als "NPD light". "Man ist das heiß hier", stellt er zur Hälfte fest, zieht sich das Sakko aus, legt die großen Linien seiner Politik da: Zukunft der Wirtschaft, Gerechtigkeit, Europa, Frieden.

Zudem rief Schröder dazu auf, dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump selbstbewusst entgegenzutreten. Merkel habe in einem Bierzelt gesagt, die Zeit sei ein Stück vorbei, in der sich Deutschland auf andere habe verlassen können. "Geh' zurück auf den Weg zur Demokratie, auf dem Du mal warst", sagte Schulz an die Adresse Erdogans. Schulz schimpfte und sprach von einem "Anschlag auf die Demokratie".

Laschet verwies darauf, dass die CDU bei den jüngsten drei Wahlkämpfen im Saarland, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen engagiert um Nichtwähler geworben habe. "Die SPD betreibt Etikettenschwindel - sie redet zwar von Klimaschutz, macht aber keinen", sagte der Parteichef am Sonntag. Bis zur Bundestagswahl sei noch "eine lange Zeit, um die Stimmung zu drehen".

Schulz Botschaft: Die SPD ist wieder da, Seit' an Seit', demonstriert Geschlossenheit. "Aber wir haben gekämpft", sagte Schröder. Auch wenn es nicht gereicht habe, sei die Aufholjagd enorm gewesen. "Wir haben damals 20 Punkte Rückstand aufgeholt, und das in wenigen Wochen", rief Schröder die Genossen dazu auf, an den Erfolg zu glauben. Auch SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann verteidigte Schulz. Emotional aber geht es um viel mehr: Die SPD braucht Mut. Nun gelte: "Auf in den Kampf!" Er schaffte es fast nie, Unterschiede zu Merkel herauszuarbeiten, und das liegt hauptsächlich daran, dass es sie nicht gibt. Wahlkampf müsse nicht sechs Monate dauern.

Kurz vor dem Parteitag hatte die Parteispitze das strittige Thema Vermögensteuer vertagt, in dem sie eine Kommission gründete. Die Partei hat in einem mühevollen Prozess ein umfangreiches Programm für die nächsten vier Jahre ausgearbeitet.

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