Von Homo-Ehe bis Obergrenze: Rote Linien im Wahlkampf 2017

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Freilich, die Gegnerin ist dieselbe geblieben, doch die Lage von heute ist mit der damals schwer vergleichbar - ebenso wenig, wie sich die beiden SPD-Chefs ähneln. So wie Nordrhein-Westfalen längst keine unumstrittene SPD-Bastion mehr ist, sondern der Schauplatz vergangener Triumphe.

Der Saal kocht. Seit Beginn der Rede brandet immer wieder spontaner Applaus auf.

Ein ums andere Mal springen die Delegierten begeistert auf.

Alles verziehen und vergessen möchte man beim Auftritt des inzwischen 73-Jährigen auf dem SPD-Bundesparteitag in Dortmund meinen.

"Ein Anschlag auf die Demokratie!". Die Zuhörer feiern ihn dafür. "Ich sage Ihnen voraus, die größte Gefahr ist die Arroganz der Macht". Es sei die Strategie der Union, die Wähler einzulullen und sich dem Wahlkampf zu entziehen. Auf dem SPD-Programmparteitag warf er CDU und CSU am Sonntag in Dortmund vor, sich vor inhaltlichen Aussagen zu drücken und damit in Kauf zu nehmen, dass weniger Bürger zur Wahl gingen. "In Berliner Kreisen nennt man das asymmetrische Demobilisierung", sagt er. "So groß darf die Verzweiflung niemals sein, dass wir Demokraten uns gegenseitig Anschläge auf die Demokratie vorwerfen", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Am 24. September werden wir die Nase vorn haben. Schäuble hatte sich mehrfach für eine Anhebung des Renteneintrittalters ausgesprochen. Aber das "lassen wir der Union nicht durchgehen". "Die Rente ist eine der zentralen Gerechtigkeitsfragen unserer Zeit!" betont er.

Stehenden Beifall erhielt Schulz für einen Angriff auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Und mit Blick auf die vielen Journalisten, die derzeit in der Türkei inhaftiert sind: "Geben Sie diese Leute frei!" Die Überschüsse müssten "in die Hand genommen werden", um in Infrastruktur, Bildung und Forschung investieren. Als hätten die Besucher nur auf jemanden gewartet, der in dieser Sache endlich Klartext redet. "Wenn es eines Beweise bedurfte, dass die AfD in Wirklichkeit eine NPD light ist, dann ist er mit diesem Internetportal erbracht", sagte Schulz. Ähnlich deutliche Worte findet er auch mit Blick auf das Problem des Islamismus in Deutschland. Jetzt ist nicht die Zeit für Grundsatzdebatten, das wissen alle. All zuviel Pathos schwingt an dieser Stelle beim Altkanzler nicht mit. Und wenn es einen Sozialdemokraten gibt, der dafür wie kein zweiter steht, ist es Gerhard Schröder.

Allerdings ist die "Groko" nach derzeitigen Umfragezahlen wahrscheinlich die einzige Chance für die SPD, Regierungspartei zu bleiben.

Als konkretes Beispiel nannte er die Diskussion um die Zukunft der Rente. Hier zieht er rote Linien: Der Forderung Donald Trumps an die NATO-Mitglieder, mehr Geld für die Rüstung auszugeben, erteilt Schulz eine klare Absage. "Ich frage euch: Wollen wir das?"

Ob der Trend noch einmal ein Genosse wird wie vorübergehend in den Umfragen zu Beginn des Jahres, hängt nun entscheidend vom Kandidaten und seiner Performance ab. Er warf ihr und der CDU vor, sich systematisch der Debatte um die Zukunft des Landes zu verweigern.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ist ein Freund von Fußballmetaphern. Schröder sei während des Irakkriegs 2003 standhaft geblieben, als er dem US-Einmarsch in den Irak nicht folgte.

Das Zaudern und Zuwarten von Merkel haben Schulz die Änderung im Modus erleichtert. Schulz macht klar: Der Altkanzler ist für ihn ein Vorbild im Umgang mit den USA.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat die Kritik von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz an der Union als völlig daneben bezeichnet. Auf dem Weg dorthin dürfe es aber keine Selbstzweifel geben.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zeigt sich beim Sonderparteitag in Dortmund kämpferisch.

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