Erdogan: "Deutschland begeht Selbstmord"

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Ton gegenüber Deutschland verschärft und nachdrücklich das Recht auf einen Redeauftritt in der Bundesrepublik eingefordert.

"Deutschland begeht Selbstmord", sagt er dazu in einem ausführlichen Gespräch mit ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, das am Montag in Istanbul geführt wurde: "Deutschland muss diesen Fehler korrigieren", erklärt Erdoğan.

Der stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmus warf Deutschland vor, Spannungen mit der Türkei zu schaffen. Merkel wird mit Erdogan bereits morgen in Hamburg zusammentreffen, einen Tag vor dem Gipfel-Auftakt. "Deutschland muss diesen Fehler korrigieren". "Dass Frau Merkel überhaupt die Rettung eines Terrorverdächtigen auf die Tagesordnung bringt, war für mich auch sehr, sehr sonderbar", sagte er. Yücel habe Terroristen interviewt und sei dadurch zum Unterstützer geworden. "Deutschland begeht Selbstmord", so der Präsident. "Das wird auch von den Anklageorganen überall auf der Welt so bewertet".

Gleichzeitig betonte der Präsident die Bedeutung der türkisch-deutschen Beziehungen angesichts der gemeinsamen Mitgliedschaft in der NATO, der Handelsbeziehungen und der drei Millionen Türken, die in Deutschland leben: "Wir brauchen einander", sagte er. "Wir müssen das bewahren".

Erdoğan äußert zudem sein Unverständnis darüber, dass die Bundesregierung zurückhaltend auf sein Gesuch reagierte, Gülen-Anhänger in die Türkei auszuliefern: "Ich habe sie von Frau Merkel gefordert, warum werden sie uns nicht zurückgegeben?" "Ich habe kein Problem mit der Kanzlerin". Allerdings seien die Beziehungen zur Regierungszeit von deren Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) "wirklich sehr anders" gewesen und er hoffe, "dass wir wieder dahin kommen".

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