ROUNDUP 2/Vorbereitung auf Brexit: Easyjet will Betreiberlizenz in Österreich

Einstellen Kommentar Drucken

Damit Europas zweitgrößter Billigflieger nicht zu einem der größten Brexit-Verlierer wird, wurde schon zu Jahresbeginn die Ausgründung einer eigenen Fluggesellschaft für die verbleibenden EU-Mitgliedsländer vorbereitet. Ausschlaggebend für das dritte Standbein seien die Unsicherheit rund um den Austritt Großbritanniens aus der EU und die guten Erfahrungen mit der Wiener Flugsicherheitsstelle Austro Control. Konkrete Prüfungsschwerpunkte dabei sind insbesondere die Fragen: Wie ist der Betrieb, wie sind die Managementsysteme organisiert\nWie sind insbesondere die Safety- und Quality Systeme ausgestaltet\nWelche Luftfahrzeuge sollen betrieben werden\nWelche An- und Abflugverfahren kommen zur Anwendung\nHaben Piloten und Flugbegleiter die notwendigen Qualifikationen\nWie wird das Simulator Training durchgeführt\nNach erfolgter Zulassung geht es in der Folge dann um die Aufsicht über das Unternehmen. Wie viele Mitarbeiter künftig in Wien sitzen, ließ Easyjet offen.

Unter der neuen Easyjet Europe soll die Easyjet UK nicht leiden. "Wir sind im Prozess, die Lizenz zu bekommen, wann genau ist nicht abschätzbar", sagte der zuständige Regionalmanager für Österreich, Deutschland und die Schweiz, Thomas Haagensen, der österreichischen Nachrichtenagentur APA. "Die Austro Control verfolgt einen strikten Kurs bei der Umsetzung von Sicherheitsrichtlinien, der dem von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) vorgegebenen Weg hin zu mehr leistungsorientierter Sicherheit voll entspricht", so Haagensen.

Die Luftfahrtbranche bangt angesichts des ungewissen Ausgangs der Brexit-Verhandlungen um einen Fortbestand der bisherigen Regelungen. Im März 2019 wird Großbritannien voraussichtlich aus der EU ausscheiden.

Obwohl die neue Tochter die Flugrechte in der EU sicherstelle, werde sich EasyJet "weiterhin um ein Luftfahrtabkommen zwischen der EU und Großbritannien bemühen, das zumindest Flüge zwischen der EU und Großbritannien ermöglicht". Es würden keine Flugzeuge von einem anderen Ort nach Österreich verschoben, sondern lediglich die Zertifikate umgeschrieben.

Österreichs Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) zeigte sich über die Auswahl Wiens erfreut: "Das ist eine Auszeichnung für den Standort Österreich". 2016 konnte der Carrier die Anzahl der jährlichen Passagiere, die aus oder nach Österreich flogen um 60 Prozent steigern. Rund die Hälfte der Passagiere stammt aus den EU-27 Mitgliedsstaaten. Alle drei werden Tochtergesellschaften von easyJet plc sein, das seinerseits in EU-Eigentum und unter EU-Kontrolle steht. easyJet plc ist an der Londoner Börse notiert und hat seinen Sitz in Großbritannien. Weil die Schweiz bereits ein Open-Skies-Abkommen mit der EU hat, hatte Easyjet-Chefin Carolyn McCall ursprünglich auch einmal mit dem Gedanken gespielt, die Schweizer Tochter zu stärken. Neben der Einheiten in Großbritannien und der Schweiz soll es - dem Brexit geschuldet - bald auch einen EU-Ableger in Österreich geben.

Comments