Erdogan will Putsch-Drahtziehern "den Kopf abreissen" lassen

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Das Bauwerk wurde später in "Brücke der Märtyrer des 15. Juli" umbenannt. Er bezeichnete die Putschnacht als einen siegreichen "zweiten Unabhängigkeitskrieg" und bezog sich damit auf den Krieg nach dem Zerfall des Osmanischen Reichs, aus dem 1923 die Türkische Republik hervorgegangen war.

Erdoğan - Der Putschversuch in der Türkei: Die Meinungen ein Jahr danach Die türkischstämmige Anwältin Seyran Ates und der türkische Regisseur Mustafa Altioklar kritisieren Erdoğans Politik. Parteisprecher Bülent Tezcan warf der türkischen Führung vor, kurzfristig eine Änderung des Programms veranlasst zu haben, weil sie eine Rede von CHP-Chef Kilicdaroglu "fürchteten". "Über das vergangene Jahr hinweg haben sich alle Rechtsabläufe immer weiter vom gesetzlichen Rahmen entfernt", sagte er. "Die Justiz wurde zerstört".

"Statt einer schnellen Normalisierung haben sie einen bleibenden Ausnahmezustand erschaffen", sagte Kilicdaroglu. Gleichzeitig forderte er eine vollständige Aufklärung der Hintergründen des Putsches und der Rolle der Behörden.

Im Zuge der Notverordnungen griff die Regierung mit aller Härte gegen ihre Kritiker und politischen Gegner durch. Bei einer Ansprache vor dem Parlament in Ankara betonte Erdogan, Kritik aus der EU würde ihn nicht davon abhalten, ein entsprechendes Gesetz zu unterzeichnen. Mehr als 50'000 Menschen sind seit der Putschnacht in der Türkei inhaftiert worden, mehr als 100'000 Staatsbedienstete entlassen oder vom Dienst suspendiert.

Die Vorwürfe Kilicdaroglus gegen die Regierung fielen vergleichsweise milde aus, da Opposition und Regierung für den Gedenktag einen Burgfrieden geschlossen hatten.

Martialische Plakate mit Szenen aus der Putschnacht riefen die Türken dazu auf, kurz nach Mitternacht zu "Demokratiewachen" auf den Strasse zusammenzukommen. Dort wollte er in der Nacht eine Ansprache im Parlament halten.

Vor einem Jahr hatten Teile des Militärs versucht, die Macht an sich zu reißen. Zu der Zeit hatten Putschisten vor einem Jahr das Parlament bombardiert. Dass der Putsch vereitelt wurde, wertet die türkische Regierung als einen historischen Sieg der Demokratie. Die Regierung von Präsident Erdogan macht die Bewegung des im US-Exil lebenden Geistlichen Gülen für den Putschversuch verantwortlich, was dieser bestreitet. Nach Erdogans Angaben wurden außerdem 35 Putschisten getötet. Nach seinem Auftritt in Istanbul will Erdogan nach Ankara fliegen. Heute ist das Verhältnis zu wichtigen Verbündeten zerrüttet, während die Türkei selbst tief gespalten ist.

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