Ein Jahr nach dem Putschversuch: Gedenkfeiern in der Türkei

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Tausende, darunter auch Präsident Recep Tayyip Erdoğan und die Familien der Opfer und Verletzten des Putschversuchs, werden anwesend sein. In Istanbul haben sich am Samstagabend mehrere zehntausend Menschen versammelt.

Insgesamt 22 Lkws, die mit türkischen Flaggen bedeckt waren, werden die Straßen zur Brücke versperren.

Hier, an der Bosporus-Brücke, soll der Putschversuch, den Teile des Militärs damals in den frühen Abendstunden begonnen hatten, am Widerstand der Bevölkerung gescheitert sein.

Aus der Luft, eingefangen von TV-Kameras, sieht es aus, als würde ein nicht enden wollender Lavastrom auf ein Zentrum zustreben: die Hängebrücke, die früher einfach Bosporus-Brücke hiess und heute "Brücke der Märtyrer des 15. Juli" heisst. Was am Nachmittag, als die Leute mit Bussen, Booten und U-Bahnen zu den Anfahrtsstrassen auf die Brücke gebracht wurden, noch wie ein Volksfest wirkte, wird, als Erdogan spricht, fast zu einem sakralen Ereignis. Er sagte, er würde ein entsprechendes Gesetz unterschreiben, wenn das Parlament es verabschieden würde. Zuvor hatte die Menge in Sprechchören die Wiedereinführung der Todesstrafe verlangt. Von den Millionen Teilnehmern, die eine Woche zuvor zu Kılıçdaroğlus Abschlusskundgebung für den "Marsch für Gerechtigkeit" im Istanbuler Vorort Maltepe gekommen waren, ist wohl kaum jemand unter den Millionen Teilnehmern auf Erdoğans Gedenkveranstaltung auf der Bosporus-Brücke. Bereits am Dienstag letzter Woche hatte Erdogan den ersten "Märtyrerfriedhof" besucht und in den folgenden Tagen im ganzen Land Denkmäler eingeweiht. Er kündigte an, Verrätern "den Kopf abzureißen".

Auch in anderen türkischen Städten versammelten sich viele tausend Menschen. Die Regierung hatte sie aufgerufen, zu "Demokratiewachen" auf die Straße zu kommen.

Am Samstagmittag hatte die offizielle Gedenkveranstaltung im Parlament in Ankara, das in der Putschnacht bombardiert worden war, stattgefunden.

Ministerpräsident Binali Yildirim dankte in einer Sondersitzung des Parlaments den Anhängern der Regierung für ihren Einsatz gegen die Putschisten.

Kritik kam dagegen von der Opposition.

Kemal Kilicdaroglu von der Oppositionspartei CHP warf der Regierung unterdessen vor, die Justiz zerstört zu haben. Söhnen und Brüdern von Putschopfern wurde außerdem per Notstandsdekret der Militärdienst erlassen. Dass der Putsch vereitelt wurde, sieht die türkische Regierung als historischen Sieg der Demokratie. Während des Putsches waren die Brücken über den Bosporus von Panzern und Soldaten besetzt worden.

Im Zusammenhang mit dem Putschversuch sprechen Regierungsvertreter in aller Regel nur über die 249 Opfer. Er lobte die türkischen Bürger, die zur Verteidigung ihrer gewählten Regierung auf die Straße gegangen seien. Sie setzten Panzer, Kampfflugzeuge und Hubschrauber ein. In seiner Rede in Istanbul ging der Präsident auch auf das Thema Todesstrafe ein.

Der Umsturz wurde niedergeschlagen. Wie viele Soldaten getötet wurden, wird offiziell nicht gezählt, sie sollen mit den Märtyrern nicht vermischt werden. Erst am Freitag waren per Erdogan-Dekret 7000 Angestellte aus dem öffentlichen Dienst als vermeintliche Anhänger der islamischen Gülen-Sekte, die für den Putschversuch nach einhelliger Auffassung verantwortlich ist, gefeuert worden. Der in den USA lebende Geistliche hat dies abgestritten.

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