Handynutzer müssen bei Anruf Erdogan-Rede hören

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"Ich wünsche unseren Märtyrern und unseren Veteranen Gottes Gnade und Gesundheit". Wer dort mit seinem Handy telefonieren wollte, hatte plötzlich den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Ohr!

Zahlreiche Handynutzer bekamen bei Anrufen vor ihrem gewünschten Gesprächspartner zunächst eine aufgezeichnete Nachricht von Erdogan zum Jahrestag des Putschversuchs zu hören. Der genaue Wortlaut der Botschaft: "Als Präsident überbringe ich Ihnen meine besten Wünsche zum Tag der Demokratie und der nationalen Einheit".

Bei ALLEN Mobilfunk-Anbietern in der Türkei wurde die Nachricht abgespielt.

In den sozialen Netzwerken löste das noch nie dagewesene Vorgehen des Präsidenten eine Welle von Reaktionen aus.

Einige veröffentlichten Videos, in denen sie am Telefon Erdogans Nachricht abwarten, bevor sie mit Freunden und Verwandten verbunden wurden. Während die Anhänger Erdogans die präsidialen Grüße guthießen, kritisierte die Opposition Erdogans Aktion als Eingriff in die private Telekommunikation. "Jetzt schaltet er sich sogar in unsere Telefone ein". "Das ist ein Albtraum", schrieb der Abgeordnete der Oppositionspartei CHP, Aykut Erdogdu, auf Twitter.

Direkt nach dem fehlgeschlagenen Putsch am 15. Juli 2016 erhielten Millionen Türken bereits eine SMS ihres Staatsoberhauptes. Damals hatte er dazu aufgerufen, den "heroischen Widerstand" fortzusetzen - unterschrieben mit "R. T. Erdogan". Erdogan hatte am Samstag bis spät in die Nacht an einer ganzen Reihe von Gedenkveranstaltungen zu dem Putsch teilgenommen. Erdogan hielt bis zum Morgengrauen drei Ansprachen.

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