Durchbruch in Aids-Forschung? Ärzte halten Mädchen für geheilt

Einstellen Kommentar Drucken

Erstmals ist ein südafrikanisches Kind, das bei seiner Geburt mit dem HI-Virus infiziert worden war, nach einer frühen Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten praktisch "geheilt" worden. Das habe sich bisher nicht geändert, obwohl das Mädchen nicht medikamentös behandelt werde.

Paris. Es ist eine medizinische Sensation: Ein neunjähriges Mädchen aus Südafrika, dass mit dem HI-Virus geboren wurde, ist komplett symptomfrei - obwohl es seit fast neun Jahren keine Medikamente nimmt! Das Mädchen sei demnach im Rahmen der Studie ab dem zweiten Lebensmonat mit antiretroviralen Medikamenten behandelt worden.

Die Ergebnisse sollten aber nicht zu zu großer Euphorie führen. Derzeit sind in ihrem Blut jedoch keine lebenden Erreger festzustellen, und das Immunsystem des Mädchens ist intakt.

HI-Viren vermehren sich mittels sogenannter Wirtszellen. Die Wirtszelle produziert neue Viren. Nach 40 Wochen wurde die Therapie gestoppt - und das Virus ist nicht zurückgekehrt.

Um der Bildung sogenannter Resistenzen vorzubeugen, werden mehrere Medikamente miteinander kombiniert, in der Regel mindestens drei. Voraussetzung ist jedoch, dass die Medikamente ein Leben lang täglich eingenommen werden.

Ein französisches Kind wurde nach der Geburt sechs Jahre lang mit Aids-Cocktails behandelt: Die heute 20-Jährige ist nach wie vor virenfrei.

Die Behandlung führte dazu, dass das Virus nicht mehr nachweisbar war. Doch bei zwei Patienten aus Boston wurden später wieder Erreger festgestellt, während ein in Berlin behandelter HIV-Infizierter noch immer virenfrei ist.

Wissenschaftler sind überzeugt davon, dass die "Heilung" des südafrikanischen Mädchens nicht allein den Medikamenten zuzuschreiben ist. Welche das sind, ist unbekannt.

Forscher wissen von Menschen, die vom HI-Virus erst gar nicht angesteckt werden: Sie haben keine Rezeptoren in ihren Immunzellen, an denen die Viren andocken können.

Anthony Fauci, Initiator der Studie, erklärte in einer Mitteilung, dass der Fall die Hoffnung verstärkt, "dass wir HIV-infizierten Kindern die Last einer lebenslangen Therapie ersparen können".

Teilnehmer der Pariser Aids-Konferenz lobten die Erfolge, die im Kampf gegen das Virus in jüngster Zeit vor allem in Afrika erzielt worden seien: In manchen der hiesigen Staaten hat sich die Zahl der Neuinfektionen halbiert.

Comments