Merkel zu Erdogan - "Verbitten uns jede Art von Einmischung"

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Istanbul. Neuer Affront aus Ankara: Mit der Aufforderung an Deutsch-Türken, bei der Bundestagswahl im September nicht für "Türkeifeinde" zu stimmen, hat sich Präsident Recep Tayyip Erdogan massiv in den deutschen Wahlkampf eingemischt. "Wir werden uns von niemandem, auch nicht von Präsident Erdogan, da hineinreden lassen, dass unsere deutschen Staatsbürger, egal welcher Abstammung sie sind, (.) ein freies Wahlrecht haben", sagte Merkel am Freitagabend in Herford. "Wir verbitten uns jede Art von Einmischung", sagte Merkel. "Das sind alles Türkeifeinde".

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) wertete die Äußerungen als beispiellos. Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz konterte auf Twitter: "Erdogan hat jedes Maß verloren". "Wir brauchen keine Belehrungen in Sachen Demokratie", sagte der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde, Gökay Sofuoglu, der Nachrichtenagentur AFP.

Sowohl die Türkei als auch die EU würden von einer Vertiefung der seit 1996 bestehenden gemeinsamen Zollunion profitieren, sagte am Donnerstag der türkische EU-Minister Ömer Celik. "Wir lassen nicht zu, dass in unserem Land zwei Bevölkerungsgruppen gespalten werden". Traditionell stehen Deutsch-Türken der SPD nahe. Welche er damit meinte, sagte Erdogan nicht. Unter anderem kritisierte Ankara, dass türkische Offiziere in Deutschland Asyl bekommen hatten.

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) zeigte sich überzeugt, dass der Aufruf Erdogans keine große Wirkung haben werde. CSU-Generalsekretär Scheuer sagte der "Bild"-Zeitung, Erdogan versuche mit seiner Wahlvorgabe, die Deutsch-Türken zu seiner fünften Kolonne zu machen".

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland, mit seinen jüngsten Äußerungen zeige Erdogan, "dass er die Menschen in Deutschland gegeneinander aufhetzen will". Zudem wolle Deutschland "Kriminelle" zurück, während die Türkei "Terroristen" ausgeliefert haben wolle. Die Bundesregierung hatte mehrfach eindringlich die Freilassung Yücels und Tolus gefordert - ohne Erfolg. Die türkische Seite wiederum wirft Deutschland vor, Beteiligten am Putschversuch des vergangenen Jahres Zuflucht zu gewähren und Pläne zur Erweiterung der EU-Zollunion zu blockieren.

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