EZB belässt Leitzins auf Rekordtief

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Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent. Parken Geschäftsbanken Geld bei der Notenbank, müssen sie weiterhin Strafzinsen von 0,4 Prozent bezahlen. Diesen Kurs bekräftigte das höchste Entscheidungsgremium der EZB. Die Fachleute der Notenbank sollten zunächst Vorschläge für mögliche Optionen machen. Über das Anleihenkaufprogramm habe man auch diskutiert, über die Dauer und über die Länge. Zudem steckt die EZB noch bis mindestens Ende Dezember 2017 Monat für Monat 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen.

Der Italiener hatte eine Diskussion über die Zukunft des auf 2,28 Billionen Euro angelegten Wertpapier-Programms für den Herbst angekündigt.

Mit viel billigem Geld versucht die EZB seit Jahren, der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und die Teuerung anzuheizen. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent - weit genug entfernt von der Nullmarke.

Seit Wochen nimmt aber der Druck auf die EZB zu, das Ende des Anti-Krisen-Kurses einzuläuten. Im August lagen die Verbraucherpreise im Euroraum um 1,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Sparer bekommen kaum noch Zinsen, Banken tun sich mit dem Geldverdienen schwer. Andererseits profitieren Kreditnehmer von günstigen Konditionen - zum Beispiel beim Kauf von Häusern und Wohnungen.

Sorge bereitet den Europäischen Währungshütern die jüngste Aufwertung des Euro. Die jüngste "Sprunghaftigkeit" der Wechselkurse sei ein "Unsicherheitsfaktor", sagte Draghi.

Von Januar bis heute hat der Euro gegenüber dem Franken rund 6,5 Prozent an Wert gewonnen.

Am Donnerstag bestätigte die EZB ihren bisherigen Kurs.

Seit Jahresanfang hat der Euro aber vor allem gegenüber dem Dollar aufgewertet. Das könnte in der Folge die Exporte aus dem Euroraum und damit das hiesige Wirtschaftswachstum dämpfen. Dort wurden Hoffnungen auf Steuersenkungen und staatliche Ausgabenprogramme von der Trump-Regierung bisher nicht erfüllt. Zugleich werden Einfuhren aus anderen Währungsräumen günstiger, was die Inflation drückt.

Denn ihr Ziel ist es ja, die Inflationsrate auf rund zwei Prozent zu hieven.

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim sprach mit Blick auf die EZB-Entscheidung von einer "Enttäuschung".

Europas Währungshüter halten sich mit weiteren Hinweisen auf ein Ende der Geldflut zurück.

Würden die Zinsen hierzulande schneller steigen als in der Eurozone, wären die ohnehin schon gefragten Anlagen in Franken nochmals attraktiver. Genau das will Draghi verhindern. Das ist nicht nur ein Problem für die deutsche Exportwirtschaft, deren Produkte im Ausland immer teurer werden, sondern auch ein Problem für die EZB.

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