Mieten in Großstädten für viele kaum noch tragbar

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Somit könne mindestens in diesen 54 Großstädten von einem "angespannten Wohnungsmarkt" ausgegangen werden.

Eine Mietbelastungsquote von mehr als 30% des Haushaltseinkommens gilt bei Sozialwissenschaftlern als bedenklich. Für etwa 1,3 Millionen Großstadt-Haushalte in Deutschland liege das Resteinkommen damit nach Abzug der Miete sogar unterhalb der Hartz-IV-Regelsätze. Im bundesweiten Durchschnitt wenden die Menschen den Daten zufolge durchschnittlich 26,8 Prozent ihres Einkommens für die Miete auf. Auch in Heidelberg, Jena, Dresden, Leipzig und Magdeburg liegen die Mietbelastungsquoten unter 24 Prozent. Unter den zehn Städten mit der höchsten Quote an Mietbelastung befinden sich sich jedoch neben vergleichsweise wohlhabenden Städten auch eher wirtschaftlich schwache Standorte wie Bremerhaven (29 Prozent) oder Offenbach (28,7 Prozent). Die relative Kostenbelastung fällt wegen der ebenfalls hohen Haushaltseinkünfte aber kaum höher aus als im weniger wohlhabenden Berlin. Dementsprechend gravierend sind die Unterschiede bei der Belastungsquote: Während die Haushalte mit höherem Einkommen im Mittel 17,2 Prozent davon für die Bruttokaltmiete aufwenden müssen, sind es bei den Haushalten an der Armutsgrenze 39,7 Prozent.

Der Befund verweist auf die zentrale Rolle, die das Einkommen für die Mietbelastung der Haushalte spielt - und zwar unabhängig von Stadt und Region. Zwar leben gut gestellte Personen in aller Regel in teureren Wohnungen als Geringverdiener. Haushalte, die über mehr als 140 Prozent des Einkommensmittels verfügen, zahlen im Mittel 8,10 Euro.

Eine besonders hohe Mietbelastung haben demnach Städte wie Bonn (30,3 Prozent), Neuss (30,1 Prozent), Köln und Düsseldorf (jeweils rund 29 Prozent).

Wenig überraschend geht die relative hohe Belastung der einkommensschwachen Haushalte mit relativ bescheidenen Wohnverhältnissen Hand in Hand. So liegt der Medianwert der Miethöhe bei den Haushalten, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens haben, laut der Studie bei 7,20 Euro pro Quadratmeter. Je niedriger das Haushaltsnetto, desto älter, kleiner und schlechter ausgestattet sind im Schnitt die Wohnungen. Während Gutverdiener im Schnitt 52,5 Quadratmeter pro Person zur Verfügung haben, sind es in armutsgefährdeten Haushalten nicht einmal 37 Quadratmeter. Hinzu kommt, dass das Wohnungsangebot an einer entscheidenden Stelle weit hinter der Nachfrage zurückbleibt: Während in fast der Hälfte aller Haushalte alleinstehende Personen leben, liegt der Anteil der unter 45 Quadratmeter großen Singlewohnungen bei nur 14 Prozent. Auch viele Vermieter ziehen dort eine Grenze, weil sie zweifeln, dass sich der Mieter die Wohnung dauerhaft leisten kann. Der über Jahrzehnte verfolgte sozialpolitische Ansatz, durch Investitionen in den sozialen Wohnungsbau Einkommensunterschiede zu mildern, habe sich "weitgehend aufgelöst", schreiben die Autoren um den Berliner Soziologen Henrik Lebuhn. Das Fazit der Studie: "Die Wohnbedingungen sind damit nicht nur Spiegel bestehender Ungleichheit, sondern tragen auch selbst durch die hohe Mietkostenbelastung zu einer wachsenden Ungleichheit bei".

Nach Ansicht von DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell ergibt sich aus den Studienergebnissen dringender Handlungsbedarf. So müsse der Bund deutlich mehr als die zugesagten 1,5 Milliarden Euro jährlich für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung stellen und diese Zuwendung über das 2019 hinaus verstetigen.

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