Alzheimer: "Stumme" Phase als Schlüssel zur Früherkennung

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Alzheimer ist mit bis zu 70 Prozent der Fälle die häufigste Form dementieller Erkrankungen.

Teile der Ablagerungen und Abbauprodukte aus dem nervenzerstörenden Prozess der Erkrankung lassen sich zwar auch in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit der Patienten finden; die Entnahme dieser Flüssigkeit ist jedoch ein ziemlich starker Eingriff mit entsprechenden Risiken. Cheng am Neurologischen Institut der Medizinischen Universität Tianjin in China untersuchten daher eine weitere Quelle für Hinweise auf eine Alzheimererkrankung: den Urin. Dabei handelte es sich um den Urin der Betroffenen. Dort lässt sich nämlich, so wie im Gehirngewebe oder in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit, bei Alzheimerpatienten das Protein AD7c-NTP vermehrt nachweisen, das unter anderem als Auslöser für das Absterben von Nervenzellen und Fehlfunktionen der Mitochondrien, der "Kraftwerke der Zellen", verstanden wird. So wollten die Experten herausfinden, wie zuverlässig eine Diagnose auf der Grundlage einer Urinprobe wirklich ist.

Die "stummen" Phase der Alzheimer-Erkrankung ist jener Zeitraum, in der pathologische Veränderungen nachweisbar sind, aber noch keine klinischen Symptome auftreten. Davon gehen zumindest führende Alzheimer-Experten aus. Die dabei festgestellten Ergebnisse wurden dann mit den Daten von acht Probanden mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (LKB) verglichen. Die Konzentration des AD7c-NTP-Proteins im Urin wurde in einer Laboranalyse ermittelt. Die Mediziner untersuchten die Probanden außerdem auf erste Hinweise für eine Demenzerkrankung, wie beispielsweise Einschränkungen in der Denkleistung und auftretende Verhaltensauffälligkeiten.

Bei insgesamt 14 von 22 der Probanden mit Alzheimer-Erkrankung (63,6 Prozent) und zwei von acht Teilnehmern mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (25 Prozent) wurden die für Alzheimer typischen Ablagerungen festgestellt. Durch eine solche Analyse des Urins ließ sich feststellen, welche Menschen wahrscheinlich bereits an Alzheimer erkrankt waren und bei welchen Probanden eine solche Erkrankung keineswegs vorlag. Die Denkleistungs- und psychiatrischen Tests schienen bis auf einen Wert dagegen nicht mit dem Urinwert übereinzustimmen. Damit erlaubt dieser Wert möglicherweise eine günstige, schnelle und patientenfreundliche Diagnosealternative.

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