Tatort heute aus München: So wird der Krimi aus der Porno Branche

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Kallis große Stunde: Der junge Assistent (Ferdinand Hofer) der Münchner Kommissare darf in "Hardcore" glänzen und sticht die älteren Kollegen locker aus. So entspinnt sich ein Fall um zwei konkurrierende Pornoproduzenten und eine Familie, die ihre Tochter erst richtig kennenlernt, als sie bereits tot ist - das alles gespickt mit kaum glaubwürdigen Einblicken in die Pornoszene sowie einigen Abkürzungen und Fachbegriffen, die der Otto-Normal-Zuschauer wohl erst einmal nachschlagen muss.

Im "Tatort: Hardcore" müssen die Münchner Kommissare Leitmayr und Batic den Mord an einer jungen Pornodarstellerin aufklären.

Im deutschen Fernsehen wird der beliebte Sonntagskrimi zur gewohnten Sendezeit um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt. Einen Krimi über die Abgründe der Pornoindustrie hätte man vermutlich nicht gerade vom Bayerischen Rundfunk erwartet, doch genau der hat sich mit "Hardcore" an das Thema gewagt. Härter sei dagegen die Sprache, "die sich doch recht freizügig des Jargons bedient, der in der Branche üblich ist".

Die Regensburger Schauspielerin Christina Baumer ist als Callcenter-Mitarbeiterin, die in ihrer Freizeit Hobbypornos dreht, mit dabei.

Für einen "Tatort" bietet "Hardcore" tatsächlich sehr viel Sex und derbe Dialoge - wem das am Sonntagabend zu viel ist, der sollte ausschalten. Gleich zu Beginn sind Männer mit Masken zu sehen, sie stehen im Kreis, die Münder in Ekstase verzerrt, die Musik rhythmisch und abgehackt. Die junge Frau liegt stranguliert in einem bis auf ein Planschbecken leeren Studio. Später entdecken die Kommissare im seichten Wasser Spuren der Lust. "Voller Sperma und Pisse", regt sich Leitmayr auf. Dieses gekonnte Spiel mit dem Voyeurismus des Zuschauers und der Doppelmoral des vermeintlich braven deutschen "Tatort"-Publikums wird in der letzten Filmszene wieder aufgegriffen und bleibt nicht die einzige visuelle Fingerübung, die Kochs Krimi auch ästhetisch so überzeugend machen". "Die Siebziger-Jahre-Pornobarone mit Whirlpools und dicken Zigarren, die existieren überhaupt nicht mehr", sagt Regisseur und Drehbuchautor Philip Koch. Bei der Charakterzeichnung deutlich zu kurz kommen hingegen Schlüsselfigur Stella Harms (stark: Luise Heyer, "Jack"), die ihre sexuellen Neigungen nur vor der Kamera ausleben kann, und ihr Mann Markus (Golo Euler). Doch nun hat sie Mann und Kind und versucht, ein bürgerliches Leben zu führen. Er will die professionelle Seite der Branche beleuchten - doch selbst die ist voll von Grenzüberschreitungen, was auch sein Film zeigt. Als sich dann noch herausstellt, dass ausgerechnet Oberstaatsanwalt Rudolf Kysela (Götz Schulte) Maries Vater ist, spitzen sich die Dinge zu. "Ich wollte sie doch nur in Würde unter die Erde bringen", sagt er verzweifelt und verkennt dabei, dass seine Tochter von Würde vielleicht ganz andere Vorstellungen hatte.

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