Airbnb: Wie Wien 2000 Wohnungen "verliert"

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In Wien ist das Airbnb-Angebot in den letzen Jahren deutlich gewachsen. Alles war auf einen sozialen Gedanken aufgebaut, so hätten Freundschaften geschlossen werden können und die Gastgeber würden im Gegenzug dazu irgendwann ihre Gäste in den jeweiligen Ländern besuchen. Doch dieses Konzept von "Airbnb", dem weltweit größten Online-Marktplatz für Übernachtungen, entspricht nicht ganz der tatsächlichen Praxis. Viele offene Fragen gebe es auch im Bereich des Gewerberechts, der Steuern oder am Wohnungsmarkt: "Bei der Umwandlung von Wohnungen in dauerhafte Ferienunterkünfte stellt sich die Frage, inwiefern man das unter den gegenwärtigen Bedingungen der Wohnraumknappheit überhaupt zulassen sollte".

Dipl. Ing. Roman Seidl, Leiter der Analyse antwortet darauf: "Entsprechend der Angebotsverknappung steigt der Druck auf den Wohnungsmarkt und insofern auch die Mietpreise". In einer Studie hat die TU untersucht, wie sich boomende Buchungsplattformen wie Airbnb auf den Wohnungsmarkt in Wien auswirken. Standen im Oktober 2014 noch rund 1300 Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung, so waren es im August 2017 bereits 8650. Das Airbnb-Angebot sei daher ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Die jährlichen Bruttoeinnahmen betragen rund 80 Millionen Euro (inklusive Umsatzsteuer und Airbnb-Service-Gebühren). Das entspricht etwa 10% des Wiener Nächtigungsumsatzes.

Airbnb wurde 2008 von Brian Chesky als Start-up gegründet, dessen Unternehmensidee auf der kurzfristigen Vermietung von leer stehenden oder unterausgelasteten Wohnungen unter Privatpersonen basierte. Nur etwa ein Prozent der Wiener Airbnb-Angebote entfallen auf Angebote, bei dem der Gast ein Zimmer mit dem Gastgeber teilt. Dabei seien die Airbnb-Angebote mittlerweile zu einem beträchtlichen Grad gewerblich orientiert. Zwar bieten nur 17% der Vermieter mehr als eine Unterkunft an, doch diese Anbieter vereinen rund 38% der Angebote auf sich. Kleinvermieter, die fast die Hälfte aller Anbieter ausmachen und nur bis zu € 500 im Monat einnehmen, verdienen weniger als 10% der Gesamteinnahmen. Die 20% der Anbieter mit den höchsten Einkommen verdienen dagegen rund zwei Drittel der Gesamteinnahmen. Die 0.4% der Anbieter mit den höchsten Einkommen nehmen monatlich jeder mindestens €13.500 Euro ein, einzelne Top-Anbieter kommen sogar auf ein Airbnb-Einkommen von €60.000.

Laut Forschern der Technischen Universität (TU) Wien werden dem Wohnungsmarkt in Wien ungefähr 2.000 Wohnungen durch Airbnb dauerhaft entzogen. Die Frage ist: Wie wirken sich die Airbnb-Wohnungen auf die Mietpreise aus? Laut einer Studie der TU Wien gingen allein dort 2000 Wohnungen verloren. In Barcelona wurde übrigens diesen Sommer der Kampf weiter verschärft: 40 städtische Inspektoren sichten die Portale für private Wohnungsvermietung und prüfen, ob ohne Registrierung vermietet oder ob Steuer hinterzogen wird. Gegenüber wien.orf.at beruhigte er besorgte Gemüter: Von 900.000 Wohnungen gäbe es 2.000 Wohnungen, die Wien dauerhaft als möglicher Wohnraum entzogen werden.

Das Angebot konzentriere sich stark auf den ersten Bezirk, aber auch auf immobilienwirtschaftlich bereits aufgewertete Standorte im zweiten, vierten oder siebten Bezirk. "In diesen Gebieten ist der Wohnungsmarkt bereits sehr angespannt, insofern liegt es nahe, dass es durch den Verlust von Wohnungen zu einer weiteren Erhöhung der Mieten kommt".

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