Siemens verkündet Rekordgewinn und streicht tausende Stellen

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Der Abbau von 6000 Stellen oder 20 Prozent der Belegschaft bei der Spanien-Windkrafttochter Siemens Gamesa ist ein bereits veröffentlichter Vorgeschmack.

Siemens-Chef Joe Kaeser bereitet die Beschäftigten angesichts der Probleme im Kraftwerksgeschäft auf massive Stellenstreichungen vor. Siemens hat im Kraftwerksgeschäft mit dem Einbruch der Nachfrage vor allem bei großen Gasturbinen zu kämpfen, der Preisdruck ist groß, die Überkapazitäten sind es ebenfalls.

"Wir sind davon überzeugt, dass es weiterhin einen Weltmarkt für große Gasturbinen geben wird", sagte Kaeser. "Daher müssen wir jetzt handeln, unsere Kapazitäten anpassen und zugleich in innovative Zukunftstechnologien investieren".

Der Blick in die Zahlen zeigt zwar starke Bremsspuren im Geschäft, aber noch keine roten Zahlen. Den Umsatz will das Unternehmen 2017/18 (30. September) aus eigener Kraft leicht steigern. Beim Ergebnis je Aktie peilt Siemens wieder eine Spanne 7,20 und 7,70 Euro an. Womöglich summiert sich die Gesamtsumme der Einschnitte dann auf etwa 10.000 Stellen sowie Werksverkäufe oder Werksschließungen. Im vergangenen Geschäftsjahr verdiente Siemens unter dem Strich knapp 6,1 Milliarden Euro, nach 5,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Umsatz legte von 79,6 Milliarden auf 83 Milliarden Euro zu.

Vorstandschef Kaeser legt die Jahresbilanz des Konzerns vor. Die Ergebnismarge in der Energieerzeugung sank im vierten Quartal um 40 Prozent auf 8,2 Prozent. Beim Auftragseingang konnten Rückgänge im Neuanlagengeschäft mit Großaufträgen im Servicegeschäft aufgefangen werden. Der Umsatz erhöhte sich um zwei Prozent auf 22,3 Milliarden Euro. Zur Bilanz-Pressekonferenz will die Gewerkschaft mit einer Demonstration vor der Konzernzentrale in München auf die Sorgen der Beschäftigten aufmerksam machen.

Dutzende Demonstranten waren am Donnerstagvormittag vor die Firmenzentrale von Siemens nach München gekommen. Hören sollen ihn wohl auch die IG-Metaller, die draußen vor der Tür gegen den geplanten Stellenabbau in der Kraftwerkssparte und im Geschäftsfeld Prozessindustrie und Antriebe demonstrieren. Bis zu 4000 gefährdete Stellen sind im Gespräch.

Die IG Metall sieht darin einen Tabubruch und hat ihren Widerstand gegen die neue Sparrunde angekündigt. Details sollen Arbeitnehmervertreter am 16. November im Wirtschaftsausschuss erfahren. Die IG Metall appellierte erneut an die Geschäftsführung, sich an ein Abkommen zur Standort- und Beschäftigungssicherung zu halten, das die Mitarbeiter vor betriebsbedingten Kündigungen schützen soll. "Das ist nach den Zahlen, die hier heute vorgelegt werden, wirklich nicht der Fall", so der Sprecher.

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