Die größte Hungersnot, die die Welt seit Jahrzehnten gesehen hat

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UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcok hatte zuvor in New York gewarnt, im Jemen drohe die größte Hungersnot, die die Welt seit vielen Jahrzehnten gesehen habe. "In den vergangenen drei Tagen hat die von Saudi-Arabien geführte Koalition es Ärzte ohne Grenzen trotz immer neuer Anträge auf Genehmigung unserer Flüge nicht erlaubt, von Dschibuti nach Sanaa oder Aden zu fliegen", erklärte Justin Armstrong, Landeskoordinator im Jemen. Zuvor hatte Saudi-Arabien Teheran beschuldigt, hinter einem Angriff jemenitischer Huthi-Rebellen zu stehen, bei dem in der Nähe der saudiarabischen Hauptstadt Riad eine Rakete abgefangen worden war. UN-Generalsekretär Antonio Guterres habe am Mittwoch mit dem saudi-arabischen Außenminister Adel al-Dschubeir telefoniert, um eine sofortige Öffnung der jemenitischen Häfen und Flughäfen zu erwirken, sagte UN-Nothilfekoordinator Lowcock.

Die aus dem Jemen zugeschaltete Leiterin des UN-Kinderhilfswerks Unicef in dem Land, Meritxell Relano, wies darauf hin, dass die Benzinvorräte bei anhaltender Blockade nur noch bis Ende November reichten.

Wenn Riad die Blockade nicht aufhebe, "wird es die größte Hungersnot werden, die die Welt seit Jahrzehnten erlebt hat", sagte Lowcock anschließend vor Journalisten. Dabei werde es "Millionen Opfer" geben. Der Krieg im Jemen hat laut UNO die "schlimmste humanitäre Krise der Welt" ausgelöst. "Die Zerstörung ist fast vollständig". 21 Millionen Menschen seien auf sofortige humanitäre Hilfe angewiesen, mahnte der stellvertretende schwedische UN-Botschafter Carl Skau.

Die Militärkoalition hatte die Blockade am Montag verschärft, indem sie die jemenitischen Häfen und Flughäfen sowie die Zufahrtsstraßen in das Land für Hilfsorganisationen dicht machte.

In dem Land kämpfen seit 2014 schiitische Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Militäreinheiten des gestürzten Staatschefs Ali Abdallah Saleh gegen Truppen des international anerkannten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi. 2015 griff ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis zugunsten von Hadi in den Konflikt ein.

Sollten die von Unicef eingerichteten Anlagen zur Wasseraufbereitung nicht mehr funktionieren, wären davon allein in den Gebieten mit hohem Cholera-Risiko sechs Millionen Menschen betroffen. Mehr als 900.000 Menschen hätten sich infiziert, knapp 2200 von ihnen seien gestorben.

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