Experten: Ausstoß von Kohlendioxid steigt in diesem Jahr wieder an

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Nach drei Jahren Stillstand auf hohem Niveau steigt der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid im Jahr 2017 voraussichtlich wieder an.

Teilnehmer der Weltklimakonferenz in Bonn sitzen vor der Darstellung einer Weltkugel.

Die Stagnation der weltweiten CO2-Emissionen hatte Hoffnungen genährt, der Höhepunkt des Ausstoßes von klimaschädlichen Gasen könnte erreicht und überschritten worden sein. Die wachsende Landnutzung hinzugerechnet - also das Verschwinden von Wäldern und Mooren als CO2-Speicher - beliefen sich die Jahresemissionen sogar auf etwa 41 Gigatonnen. Die nach Staaten aufgegliederten Daten und Schätzungen veröffentlichten die Klimaforscher im Fachjournal "Environmental Research Letters" und zusätzlich in zwei weiteren renommierten Fachzeitschriften. Dann müssten alle Emissionen schlagartig auf null gesenkt werden, wenn das Temperaturziel eingehalten werden soll.

Für Indien, dem drittgrößten Verursacher von CO2-Emissionen nach China und den USA, rechnen die Forscher mit einem Anstieg von zwei Prozent. "Dieses Jahr haben wir gesehen, wie der Klimawandel die Auswirkung von Hurrikans verstärken kann, wenn stärkere Regenfälle, höhere Meeresspiegel und wärmere Ozeane die Entstehung stärkerer Stürme begünstigen". Angesichts dessen sei absehbar, dass die untere Grenze des Vertrages von Paris, der den Temperaturanstieg auf 1,5 bis 2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit begrenzen will, in weniger als einem Jahrzehnt gerissen werde. Vor allem die verringerte Kohlenutzung, eine verbesserte Energieeffizienz sowie ein Boom bei den erneuerbaren Energien wie Windkraft und Solarenergie hätten maßgeblich dazu beigetragen. Zum einen gebe es eine Gruppe von 21 Staaten, die rund ein Fünftel der weltweiten Emissionen verantworteten und die ihr Wachstum von den Emissionen entkoppelt hätten. Das zeige, dass Wirtschaftswachstum nicht zwangsläufig zu einer Zunahme des Kohlendioxidausstoßes führen muss. Dieser Anstieg macht deutlich, dass der Höchststand an Emissionen noch immer nicht erreicht ist. Auch in 99 anderen Ländern hätten die Emissionen wieder zugenommen. Bei diesem Rekordwert der Emissionen werde das globales Kohlenstoffbudget innerhalb von 20 bis 30 Jahren aufgebraucht sein. "Mehrere Faktoren deuten auch darauf hin, dass sich der Anstieg im Jahr 2018 fortsetzen wird", sagte Peters. Es sei davon auszugehen, "dass die nationalen energiebedingten CO2-Emissionen 2017 leicht steigen werden". "Aber es ist noch zu früh zu sagen, ob das ein einmaliger Ausrutscher auf dem Weg hin zum Erreichen eines globalen Höchststandes war oder der Anfang einer neuen Phase", sagt Glen Peters vom Cicero Center for International Climate Research in Oslo.

Der Report "Globales Kohlenstoff Budget" wurde von 76 Wissenschaftlern von 57 Forschungsinstituten in 15 Ländern zusammengestellt. In diesem Jahr erscheint der Bericht zum zwölften Mal und wird vom Global Carbon Project herausgegeben.

Erst vor knapp zwei Wochen hatten Forscher berichtet, dass die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre noch nie so schnell gestiegen ist wie im vergangenen Jahr. Das habe neben den Aktivitäten der Menschen vor allem auch am Wetterphänomen El Niño mit seinen erhöhten Ozeantemperaturen und Dürren in den Tropen gelegen, hatte die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf mitgeteilt.

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