Grüne Europa-Abgeordnete lässt Mitgliedschaft nach Äußerung ruhen

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Dann schickte die Politikerin aber auch noch eine Begründung für ihre Aussage hinter her, die allerdings völlig daneben ging: "Wenn Merkel, dass nicht hinkriegt, dann ist sie weg".

In diesem Zusammenhang sprach Trüpel vom "rechten, schwulen Jens Spahn", der auf Merkel dann folgen könnte. Daran habe ich nun gar kein Interesse.

"Ich habe auf Nachfrage von BuBi ("Buten und Binnen", Anmerkung der Redaktion) gesagt, dass ich bei der Formulierung einen Fehler gemacht habe, weil ich hätte sagen müssen und wollen, dass Jens Spahn, obwohl er schwul ist, rechte Gesellschaftspolitik macht, was ich deutlich kritisiere", schreibt Trüpel in ihrer Erklärung. Kastendiek, dessen Bremer CDU die homophobe Politikerin Elisabeth Motschmann erneut zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl aufgestellt hatte, betonte, die Entschuldigung Trüpels "macht es leider auch nicht besser". Spahn ist ein prominenter Vertreter des konservativen CDU-Flügels und wird als einer der kommenden starken Männer in der CDU gehandelt.

Am Samstagabend gab Trüpel dann in einem Brief an die Parteibasis bekannt, dass sie ihre Mitgliedschaft bei den Grünen ruhen lassen wolle, "bis wir unsere Konflikte geklärt haben". Dies sei Spahn aber nicht. "Ich habe nicht kritisiert, dass er schwul ist", so Trüpel. "Ich habe auch nicht gesagt, dass alle Schwulen rechts oder alle Rechten schwul sind". "Mein Level an Kränkungen durch wenige bei den Bremer Grünen, das ich bereit bin auszuhalten, ist jetzt überschritten". "Aber es wollten mich Leute auch missverstehen", so die 57-Jährige.

Nach dem ersten Bericht von Radio Bremen hatte der Bremer CDU-Chef Jörg Kastendiek die Äußerung von Trüpel gegenüber "buten un binnen" und dem "Weser Kurier" scharf kritisiert: Sie zeuge von einer "tiefen Intoleranz gegenüber Andersdenkenden und Andersfühlenden". "Ihre Entschuldigung macht es leider auch nicht besser". Die Entschuldigung sei halbherzig und werde durch die gleichzeitige inhaltliche Polemik vollends entwertet.

Das tat diese nicht.

Der Vorstandssprecher der Grünen, Ralph Saxe, sagte am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur: "Helga Trüpel hat das richtiggestellt und sich dafür entschuldigt. Ich habe die Entschuldigung angenommen". Der Politikerin Homophobie vorzuwerfen, nannte der Sprecher "abwegig".

"Wenn das Verhandlungsergebnis gut genug ist, sollten wir es machen", erklärte Trüpel laut welt.de und warb damit für ein Gelingen der Jamaika-Koalition auf Bundesebene. In der Bremer Ampel-Regierung von Klaus Wedemeier war sie zwischen 1991 und 1995 als Senatorin für Kultur, Ausländerintegration und Jugend. Das seit 2004 ausgeübte Mandat im EU-Parlament werde sie "bis zum Ende der Legislaturperiode" weiter wahrnehmen (sie hatte schon vor einigen Monaten angekündigt, nicht erneut zu kandidieren), auch werde sie Mitgliedsbeiträge und Spenden weiter zahlen.

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