Immer mehr Menschen in Deutschland ohne eigene Wohnung

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Die Zahl der Menschen ohne Wohnung in Deutschland ist einer neuen Schätzung zufolge im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Dies entspreche einem Anstieg um rund 150 Prozent seit 2014.

Seit 2016 bezieht die Wohnungslosenhilfe in ihre Schätzungen auch die Zahl der wohnungslosen anerkannten Flüchtlinge ein. Wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG) am Dienstag in Berlin mitteilte, kommen noch rund 440.000 wohnungslose Flüchtlinge hinzu, so dass insgesamt von einer Zahl von 860.000 Menschen ohne Wohnung auszugehen sei. Als wohnungslos gilt, wer keine dauerhafte Wohnung hat und stattdessen in Unterkünften lebt, in denen der Aufenthalt zeitlich begrenzt ist. "Die Zuwanderung hat die Gesamtsituation dramatisch verschärft, ist aber keinesfalls alleinige Ursache der neuen Wohnungsnot", betonte der Geschäftsführer des Vereins, Thomas Specht.

Etwa zwei Drittel aller wohnungslosen Menschen sind den Angaben zufolge alleinstehend, gut ein Drittel lebt mit einem Partner und/oder mit Kindern zusammen. Die BAG begründet die Berücksichtigung von Flüchtlingen in ihrer Zählung damit, dass diese sowohl Nachfragende in den Behelfsunterkünften als auch auf dem Wohnungsmarkt seien.

Etwa zwölf Prozent oder 50.000 der Wohnungslosen sind EU-Bürger. Vor allem in den Metropolen sei mitunter jeder zweite Obdachlose ein EU-Ausländer, berichtete der Verband. "Damit haben sie Reserven bezahlbaren Wohnraums aus der Hand gegeben".

Die Politik habe den sozialen Wohnungsbau in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt, sagte Specht.

Ohne "massive Anstrengungen" von Bund, Ländern und Kommunen werde sich die Wohnungslosigkeit in den nächsten Jahren nicht reduzieren lassen, prognostiziert Specht.

Darüber hinaus fehlten mindestens elf Millionen Kleinwohnungen. Der Mangel an Ein- bis Zweizimmerwohnungen habe zu einem extremen Anziehen der Mietpreise in den Ballungsgebieten geführt. In ganz Deutschland gebe es fast 17 Millionen Einpersonenhaushalte. Zusätzlich hätten Kommunen, Bundesländer und der Bund eigene Wohnungsbestände an private Investoren verkauft. Um die Förderung von Sozialwohnungen wieder zu einer Gemeinschaftsaufgabe zu machen, wäre eine Änderung des Grundgesetzes notwendig.

Überdies fordert die Bundesarbeitsgemeinschaft spezielle Programme zur Prävention von Wohnungsverlusten und zur Versorgung der aktuell wohnungslosen Menschen mit Wohnraum.

Als Lösungsansätze schlägt die BAG W beispielsweise Quoten für die Vermietung von geförderten Wohnungen an wohnungslose Menschen und gezielte Käufe von Wohnungsbeständen bei privaten Vermietern vor.

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