Luftfahrt Herber Rückschlag für Airbus

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Wenn sich das Flugzeug nicht mehr verkauft, wird es wenigstens gefeiert: Vor zehn Tagen hatte Airbus der Fluggesellschaft Emirates den hundertsten A380 ausgeliefert. Das geschah in Erfüllung eines weit zurückliegenden Vertrages.

Sonntagmittag versammelten sich erst PR-Leute und Manager von Airbus im Pressezentrum der Dubai Airshow - und ließen die versammelten Medienvertreter dann etwas ratlos zurück. Der Käufer war aber nicht Airbus, sondern Erzfeind Boeing. "Emirates" Auftrag für Boeing kommt mit 15,1 Milliarden US-Dollar (12,9 Mrd Euro) nach Listenpreisen auf einen ähnlichen Wert wie derjenige, mit dem Insider für Airbus gerechnet hatten. Der Rückschlag ist hart. Der A380, von US-Medien bereits zum "Ladenhüter" gestempelt, hätte einen neuen Auftrag dringend benötigt. Die Werke in Hamburg, Madrid und Toulouse laufen seit bald einem Jahr auf minimalem Produktionsrhythmus. Andere Airlines als Emirates verlieren zunehmend das Interesse an Grossraumflugzeugen mit 500 Sitzen. Das Passagiervolumen nimmt zwar weltweit zu. Doch das internationale Flugverkehrsmanagement ist in den letzten Jahren stark perfektioniert worden; die Airlines meistern ihr zunehmendes Passagiervolumen deshalb auch mit mittelgroßen Flugzeugen.

Das bedroht die gesamte Airbus-Strategie, die auf einer kompletten Angebotspalette aufgebaut und Entwicklungskosten von zehn Milliarden Euro für den A380 in Kauf genommen hatte, um den legendären Boeing-Rivalen B747 auszustechen. Dabei hätte auch der neue Emirates-Großauftrag Airbus nicht mehr als eine Verschnaufpause verschafft. Nachdem Airbus die Produktion des Riesenflugzeugs ab 2019 auf jährlich nur noch acht Exemplare verringert, hätten gut 36 neue Aufträge zusätzlich fast fünf Jahre Auslastung bedeutet. Mögliche Abbestellungen sind dabei aber ausgerechnet. Weder Emirates noch Airbus wollten sich dazu äußern, wie die Verhandlungen zu der erwarteten neuen A380-Order vorangehen. Doch haben die Europäer überhaupt die Wahl? Luftfahrtexperten fragen sich, ob die neue Bestellung noch bis Ende der Dubai Airshow am Donnerstag nachgeholt werde. Beugt sich Airbus-Chef Tom Enders dem Wunsch der Golf-Airline nicht, droht der A380, sein wichtigstes Unternehmen, schneller auszulaufen als geplant.

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