Militär weist Berichte über Putsch gegen Mugabe zurück

Einstellen Kommentar Drucken

In Simbabwe verdichten sich die Anzeichen auf einen möglichen Militärputsch. Es gehe darum, eine "sich verschlimmernde politische, soziale und wirtschaftliche" Krise zu überwinden, erklärte Generalmajor Sibusiso Moyo am Mittwoch in einer Ansprache im staatlichen Fernsehen ZBC. Es handele sich nicht um einen Militärputsch, betonte er. Es gehe darum, Verbrecher zur Strecke zu bringen.

In Simbabwe haben Offiziere Spekulationen über einen Putsch gegen Präsident Mugabe zurückgewiesen.

Der Militärvertreter forderte alle Sicherheitskräfte auf, mit dem Militär zu kooperieren. Auf Provokationen würde angemessen reagiert werden, warnte er.

Das Militär übernahm zeitweise die Kontrolle. Augenzeugen berichteten zudem von Explosionen, die sich in der Nacht auf Mittwoch im Norden der Hauptstadt Harare ereignet haben sollen.

Am Dienstag waren gepanzerte Fahrzeuge auf den Hauptstraßen außerhalb der Hauptstadt beobachtet worden.

Die Botschaft der Vereinigten Staaten hat ihre Staatsbürger in Zimbabwe angesichts der Putschberichte zu grosser Vorsicht aufgerufen.

Die britische Botschaft rief ihre Bürger in Simbabwe ebenfalls auf, bis zu einer Klärung der Lage zuhause zu bleiben.

Die Lage ist noch unübersichtlich.

Die Gründe für das Militäraufgebot blieben zunächst allerdings unklar.

Mugabe selbst hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. Ein präsidialer Mitarbeiter hatte am Dienstag noch erklärt, der Staatschef gehe wie gewohnt seinen Amtsgeschäften nach. Der Schritt markierte eine dramatische Wende in der Machtpolitik des inzwischen 93 Jahre alten Präsidenten Zimbabwes, der das Land seit seiner Unabhängigkeit vor 37 Jahren regiert.

Die Regierungspartei Zanu-PF erklärte daraufhin am Dienstagabend, die Äußerungen Chiwengas kämen einem Verrat und der Anstachelung zur gewaltsamen Auflehnung gegen die verfassungsrechtliche Ordnung gleich.

Vor einer Woche hatte Mugabe Vizepräsident Robert Emmerson Mnangagwa aus dem Amt entlassen, der danach ins Ausland floh und über Todesdrohungen klagte.

Mugabe liefert sich derzeit einen Machtkampf mit dem Armeechef Constantino Chiwenga.

Mugabe hat inzwischen mit den meisten seiner Kameraden aus der Zeit des Befreiungskrieges gegen die weiße Minderheitsregierung von Rhodesien gebrochen. Sie gelten als Kritiker von First Lady Grace Mugabe, die ihrem Mann im höchsten Staatsamt nachzufolgen hofft. Ein Analyst der Risikoberatung Verisk Maplecroft erklärte, die erhöhte Militärpräsenz sei ein klares Zeichen an Mugabe, dass die Streitkräfte notfalls einschreiten würden, um Grace Mugabe als Präsidentin zu verhindern.

In den Straßen der Hauptstadt Harare gab es nach berichten von Augenzeugen eine ungewöhnlich hohe Militärpräsenz, auch gepanzerte Fahrzeuge waren zu sehen.

Simbabwe mit seinen etwa 15 Millionen Einwohnern gehört einem UN-Index zufolge zu den ärmsten Staaten der Welt.

In den frühen Morgenstunden war nach Angaben eines Anwohners in der Nähe des Wohnsitzes von Mugabe anhaltendes Gewehrfeuer zu hören gewesen. Das Land hat sich bislang noch nicht von einer schweren Wirtschaftskrise erholt, in Folge derer es 2008 zu einer galoppierenden Hyperinflation und dem Zerfall der Landeswährung kam.

Comments