Der neue Münster-"Tatort": Gottes Werk und Boernes Beitrag

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Gegen solch schwülen Schöpferkult muss Frank Thiel doch dringend das Recht auf Banausentum verteidigen, und Axel Prahl braucht seine Weste, die den Kommissar wie einen Angler ausschauen lässt, denn auch kaum noch auszuziehen.

In dieser kleinen Kunst-Satire der Autoren Christoph Silber und Thorsten Wettke ist der prollige Skeptiker Thiel natürlich nur ein kleinbürgerlicher Spießer.

Einmal im Jahr ist Weihnachten, zweimal im Jahr Münster-Tatort - bei echten Fans ist die Vorfreude ähnlich groß! Der eitle Professor Boerne (Jan Josef Liefers) will unbedingt vom homoerotisch lüsternen Meister als genialer Künstler erkannt werden, lässt sich von Gott erst seinen Bonsai-Stammbaum abfackeln und wühlt dann selbst schamanisch in Knochen. Der zweite Tote, ebenfalls in einer Figur versteckt, war zuvor als Verleumder aufgefallen. Da tobt sich ein Mörder als Bildhauer aus und macht seine Opfer zu Ausstellungsstücken im öffentlichen Raum.

Der Verdacht fällt sofort auf die drei exzentrischen Künstler, die in diesem Jahr ihre Werke in Münster präsentieren.

Der große Star aber ist Zoltan Rajinovic alias G.O.D. - mit kurz rasierten Haaren, Schnurrbart und Tattoos auf den muskulösen Oberarmen der Prototyp des abgedrehten Künstlers. Dennoch spielt Aleksandar Jovanovic diese klischeeträchtige Rolle angenehm zurückhaltend.

Szenen aus
Szenen aus"Tatort Gott ist auch nur ein Mensch

Regisseur Lars Jessen zeigt im "Tatort: Gott ist auch nur ein Mensch" kuriose Konzeptkunstmorde.

Wie so oft im Münster-"Tatort" geschieht das Wesentliche ohnehin jenseits der Mordermittlungen: So kommt Kommissar Thiel zu der erstaunlichen Erkenntnis, dass er als Kind in der Hippie-Kommune von Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Grossmann) ein und ausging - selbstverständlich in Begleitung seines dauerkiffenden "Vadders".

Das Töten ist eine Kunst - zumindest im neuen "Tatort" aus Münster. In denkbar bizarrem Setting. "Zugleich war mir wichtig, die Kunstwelt nicht zu karikieren, sondern ein möglichst ehrliches Porträt abzuliefern".

So gelingt hier zwar der Rufmord an der modernen Kunst, aber eben ohne dass man um die Opfer des Kunstmörders zittern müsste. Doch ebenso wie die Tatsache, dass die Spur zum Täter über Thiels Vater und dessen Taxifahrten zu führen scheint, verzeiht man den Ermittlern auch diesmal manche Klischees.

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